Lemwerder - Dass Kinder mit Förderbedarf auf Wunsch der Eltern ab 2018 in jeder Grundschule unterrichtet werden können, dieses Ziel hat das Land Niedersachsen im vergangenen Jahr ausgelobt. Ab diesem Schuljahr läuft eine Übergangsphase, in der sich auch die Grundschulen in der Gemeinde Lemwerder diesem Thema annähern sollen. Doch wie läuft die Umsetzung der Inklusion bisher?

Die meiste Erfahrung Bereich des inklusiven Unterrichts haben die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule Mitte. Seit fünf Jahren werden hier schwerpunktmäßig Kinder mit festgestelltem Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung unterrichtet. Derzeit besuchen fünf von ihnen zwei Klassen gemeinsam mit Regelkindern. Die Inklusion in diesem Bereich sehen die Lehrkräfte weitgehend positiv. Die so genannten „G-Kinder“ seien gut versorgt, so erhalten sie die ihnen zustehende besondere Förderung durch zwei Förderlehrer, die die Kollegen im Unterricht unterstützen und auf den besonderen Bedarf der G-Kinder achten.

Trotzdem sei der Weg zu wirklich gelungener Inklusion noch ein weiter, finden die Lehrkräfte um Schulleiterin Angela Waechter. Zur Inklusion gehöre nämlich auch, dass die Räumlichkeiten in der Schule den Bedürfnissen der Kinder angepasst würden – angefangen bei den Sanitäranlagen, wo eine Dusche nötig wäre, bis hin zu extra Gruppenräumen, in denen die G-Kinder bei Bedarf auch allein betreut werden könnten. Das alles kostet Geld, das bislang noch nicht investiert wurde. „Muss ja auch nicht, die Gemeinde hat dafür ja noch bis 2018 Zeit“, sagt Angela Waechter.

Sie würde sich außerdem wünschen, dass der Begriff Inklusion nicht nur auf G-Kinder beschränkt würde. So gebe es auch Kinder, die Schwierigkeiten im Bereich Sprache und Lernen hätten oder im sozial-emotionalen Bereich besonders gefördert werden müssten. Hier fehle es aber noch an materieller wie personeller Unterstützung. Die genannten Kinder bekämen noch keine extra Förderstunden, die Lehrkräfte müssten dies neben ihren restlichen Aufgaben erledigen – Zeit, die ihnen für die übrigen Kinder unter Umständen fehlt.

Inklusion müsse aber bedeuten, das jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert werde, finden die Lehrerinnen. Die Rahmenbedingungen würden dem noch nicht entsprechen und auch der inklusive Gedanke sei in der Bevölkerung noch zu wenig verankert. „Hier muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Angela Wächter. Denn ihre Erfahrung zeigt auch: Förder- wie Regelkinder würden aus dem Miteinander im Schulalltag profitieren.