Ganderkesee - Glücklich, böse, unwohl: Auf Kommando bleiben die Schüler der Klasse 4 b der Grundschule Lange Straße stehen und setzen einen passenden Gesichtsausdruck auf. Dann beobachten sie, wie die anderen aussehen, wenn sie Gefühle zeigen. Seit 2012 erlernen die Kinder an der Grundschule im Projekt „Gewaltfrei lernen“ spielerisch den respektvollen Umgang miteinander. Ab sofort heißt das Projekt allerdings „!Respect“. „Wir wollten weg vom problemorientierten Namen zu etwas Positivem“, erklärt Oliver Henneke vom Vorstand des Vereins „!Respect".

Und noch etwas ist neu: Die Lehrer sollen künftig Anleitungen für Spiele zur Gestaltung des Lernklimas nicht mehr aus einem Buch heraussuchen müssen, sondern es soll eine App produziert werden. Per Smartphone sollen sie jederzeit passende Anleitungen abrufen können. So soll erreicht werden, dass das Projekt nachhaltig fruchtet.

Das Besondere: Zu Protagonisten der App werden Schüler der Grundschule Lange Straße. Ab Dezember sollen sie an mehreren Wochenenden bei verschiedenen Spielen gefilmt und fotografiert werden.

Lehrerin Astrid Pape-Wes­termann betreut „!Respect“ an der Grundschule Lange Straße. Sie ist 2012 bei der Bildungsmesse Didacta in Hannover auf das Projekt aufmerksam geworden und hat dafür gesorgt, dass es ins Schulprogramm aufgenommen wurde. „Schulklima, Lernatmosphäre und Zusammenhalt haben sich seitdem deutlich verbessert“, sagt Pape-Westermann.

Das pädagogische Konzept „Gewaltfrei lernen“ wurde von der Diplomsportlehrerin Sibylle Wanders entwickelt und ab 2007 zunächst im Raum Köln umgesetzt. Seit 2009 ist der Verein auch über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus aktiv. Heute betreuen drei Trainer jeweils rund 25 Schulen pro Jahr, sagt Henneke. An der Grundschule Lange Straße nehmen die Erstklässler pro Jahr an sechs Stunden zum Thema Konfliktvermeidung teil, in den folgenden Jahren wird das Erlernte in zwei Stunden je Schuljahr aufgefrischt. Die Lehrer sind aufgefordert, die Spiele regelmäßig zu wiederholen. Ziel sei es, dass alle Kontaktpersonen der Kinder gleich auf Konfliktsituationen reagieren, betont Henneke. Deshalb gibt es Fortbildungen für Lehrkräfte sowie Elternabende.

In der Gemeinde Ganderkesee nimmt auch die Grundschule Heide teil. An der Grundschule Dürerstraße sei die Teilnahme angedacht, sagt Henneke. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Sparda-Bank mit 100 000 Euro pro Jahr, wobei allein 60 000 Euro Schulen in Niedersachsen zugute kommen.