Ganderkesee - Ein bisschen seltsam sei das schon, fand Gustav Zielke. „Man hört bekannte Namen, hört bekannte Stimmen, aber wenn mir zum Beispiel Marius auf dem Huder Bahnhof begegnet wäre, hätt’ ich ihn nicht erkannt.“ – Immerhin: Seit Freitag ist das (wieder) anders. Im Oldenburger Hof traf sich der Abschluss-Jahrgang 1963 der Volksschule Ganderkesee – und zwar nach 50 Jahren und acht Monaten zum allerersten Mal.
Bei der Klasse, so berichtete Marius Schulte, habe es sich quasi um einen „zusammengewürfelten Haufen“ gehandelt: Schüler aus Hengsterholz und Bergedorf, aus Immer, Hoyerswege, Bookhorn, Falkenburg und Steinkimmen, die bis zur 8. Klasse Dorfschulen besucht hatten, wurden 1962 zu einer 9. Klasse zusammengefasst. Genauer: zur 9a der Volksschule an der Langen Straße. Schon ein Jahr später sollten sie sich wieder trennen, da war die Schule abgeschlossen.
Doch dieses eine Jahr, das machten die Schilderungen klar, war ereignisreich. Amüsiert erzählten Marius Schulte und Gustav Zielke von Heini Einemann, Taxi- und Beerdigungsunternehmer sowie Polsterer in einer Person. Der habe die Schüler zur Schule gefahren, bei ihm in der Wittekindstraße wurde gelegentlich auch auf die Rücktour gewartet. Unvergessen blieb, wie ein Mitschüler sich einen besonderen Ort zum Warten aussuchte – er legte sich in einen Sarg.
„Eine tolle Zeit“ sei das gewesen, so Zielke, auch wirtschaftlich ging es in Deutschland nach oben. „Uns standen alle Türen offen.“ Er habe sich bei sieben Lehrstellen für die Ausbildung zum Werkzeugmacher beworben und sieben Zusagen erhalten. Mit der Vorbildung der Volksschule „konnte man alles machen“, sagte der spätere Diplom-Pädagoge.
Logisch, dass sich die Klasse ihre frühere Wirkungsstätte anschaute. Rektorin Rita Wieneke führte durch die Schule, wo nach 1963 „ein paar Mal an- und ausgebaut wurde“, die zeitweise bis zu 430 Schüler hatte, mittlerweile auf 240 Kinder geschrumpft ist.
Die Ehemaligen fanden sich sofort wieder zurecht. „Da hat der Hut von Lehrer Hans Grundmann gelegen“, zeigte Wilfried Westermann schmunzelnd auf ein Fensterbrett. „Da haute jeder im Vorbeigehen drauf.“
