Friesoythe - Die Realschule Friesoythe verliert mit Beate Schnier und Clemens Kellermann zwei Urgesteine, die die Bildungslandschaft in der Eisenstadt mitgeprägt haben – darin ist sich Schulleiter Hermann Meemken beim Pressetermin am Montagvormittag sicher.
Verabschiedet wurden die beiden Pädagogen von Lehrern und Schülern bereits, am 31. Juli endet ihre aktive Schulzeit offiziell. „Ich halte den Rekord“, freut sich Beate Schnier schmunzelnd über ihre Lehrerlaufbahn, die am 1. August 1975 an der Friesoyther Realschule begann. Über den zweiten Bildungsweg ist sie in zwei Jahren zur Sportlehrerin ausgebildet worden, um, wie viele andere Kollegen in der Zeit, den Sportlehrermangel zu beheben.
Sport in Pausenhalle
Dabei fand sie bei ihrem Start in Friesoythe nicht die besten Bedingungen für den Sportunterricht vor. „Ein Jahr lang musste ich in der Pausenhalle unterrichten, ehe die Sporthalle fertig war. Aber es ging auch so“, erinnert sich die gebürtige Bad Essenerin an ihre Anfänge. So wurde auf Fliesenboden und zwischen Betonpfeiler geturnt. Während ihrer langen Dienstzeit hat Schnier aber auch einen Wandel im Sportunterricht miterlebt. „Die Kinder konnten früher Seil springen, am Reck turnen oder rückwärts laufen.“ Nun würden die Schüler eher vor dem Computer sitzen und nicht draußen toben, so die Sportlehrerin. Dadurch hätten sich die Leistungsanforderungen im Sport verändert, insgesamt werde mehr gespielt als beispielsweise geturnt. „Es ist eine andere Zeit geworden, der man Rechnung tragen muss.“
Start 1978
Und auch Clemens Kellermann hat in seiner Dienstzeit in Friesoythe, die 1978 an der damaligen Orientierungsstufe begann und 1980 an der Realschule fortgesetzt wurde, einen Wandel seines Berufes miterlebt. „Ich wollte Schülern etwas beibringen, jetzt muss ich auch noch Listen und Statistiken führen“, kritisiert der Lehrer für Mathe und Erdkunde die steigende Bürokratie. Die Veränderung bei den Schülern, wie seine Kollegin ihn beschreibt, hat auch Kellermann beobachtet. Es gebe mehr überfürsorgliche „Helikopter“-Eltern. Dass habe Folgen für das Verhalten der Kinder, die immer häufiger den einfacheren Weg nehmen würden.
Auch die Digitalisierung habe den Beruf verändert, der Computer habe vor allem die Unterrichts- und Klausurvorbereitung vereinfacht. An die an der Realschule neu angeschafften Smart-Boards als Tafelersatz traute sich der baldige Pensionäre aber nicht heran. „Das hat auch etwas mit dem Alter zu tun.“ Dank des Alters haben sowohl er als auch Schnier alle Rektoren miterlebt. Kellermann selber genießt es, im Supermarkt immer wieder ehemaligen Schülern zu begegnen und freue sich über einen netten Plausch. „Die fragen dann immer, ob man immer noch in der Schule ist“, schmunzelt er.
Nun muss er diese Frage verneinen, dabei sei er bis zuletzt gerne Lehrer gewesen. In seiner neu gewonnen Freizeit möchte er sich mehr um den heimischen Garten kümmern. „Und meine Enkel werden mich wohl in Beschlag nehmen“, freut sich der dreifache Großvater. Sonst möchte er erstmal keiner weiteren Verpflichtung nachgehen, die habe er mit dem Schuldienst fürs Erste abgeleistet.
Freiheit genießen
„Ich möchte nun die Freiheit genießen“, ist auch Schniers Plan für den Ruhestand. Auch sie habe immer gerne unterrichtet und möchte nun alles auf sich zukommen lassen. Um sich fit zu halten, soll der Ruhestand vor allem sportlich aktiv gestaltet werden. Ein nächstes großes sportliches Ziel steht im September an: Schniers nimmt am Berlin-Marathon teil. Für das Training hat sie nun ausgiebig Zeit. „Ich hoffe, noch lange gesund zu bleiben“, wünscht sie sich.
Diesen Wünschen schloss sich Schulleiter Hermann Meemken an. Mit den beiden Lehrkräften würde viel Erfahrung verloren gehen. „Aber ich bleib ja hier, du kannst mich gerne anrufen“, antwortete Kellermann daraufhin lachend.
