VAREL - „Hier kommt nur schleppend Weihnachtsstimmung auf“, sagt Nicole Kramer. Die gebürtige Varelerin arbeitet als Rangerin in der Nähe von Melbourne und kann sich nur schwer daran gewöhnen, bei 30 Grad Weihnachten zu feiern. Auch sonst ist in Australien alles anders: Die meisten Tannenbäume sind aus Plastik, Santa Claus sitzt auf den Adventskalendern im Gras und nicht im Schnee. „Da hilft es auch nicht, wenn Städte und Häuser zu Hunderten von außen sowie innen mit kitschigen Lichtern und Weihnachtsdeko geschmückt sind“, bedauert sie. „Je bunter, desto besser“ lautet das Motto der australischen Weihnachtsdeko und dafür gibt es auch noch Preise zu gewinnen.
Nicole Kramer wird Weihnachten in Australien ganz anders feiern als in ihrer Heimat Varel. „Am Weihnachtsmorgen werde ich mit Freunden den bekannten ,Warburton trail’ abstrampeln“, berichtet sie, einen beliebten Radweg in der Nähe von Melbourne, der 38 Kilometer dem Yarra River entlang folgt, vorbei an Weinanbaugebieten, Bergen, Schafen und Kühen, Feldern und Wiesen.
Heimatgefühle
Da kommen Heimatgefühle auf: „Irgendwie erinnert mich der Weg wegen der vielen Schafe an den Fahrradweg am Dangaster Deich.“ Unterwegs wird zwischen Fliegen und Moskitos Picknick abgehalten mit Wein und Häppchen. Am Weihnachtsabend geht es zum Schlemmen ins Restaurant mit Freunden, deren Familien auch weiter weg wohnen. „In Australien ist der 25. Dezember der Hauptweihnachtstag“, berichtet Nicole Kramer, „da versammeln sich Familienmitglieder zum Barbecue und zur Bescherung“. Da Nicole Kramers Familie in Deutschland lebt, verbringt sie den Tag mit ihren Freunden und deren Familien. Sie wissen die Varelerin als Gast zu schätzen: Weihnachtslieder, Wichteln und Kekse backen stehen bei den Australiern hoch im Kurs. Geschenke stehen nicht im Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens: „In meinem Freundeskreis beschenken sich viele gar nicht mehr oder spenden Geld an eine Hilfsorganisation. Das wird immer mehr zum Trend.“
Zeit zum Entspannen
Am 26. Dezember startet sie mit dem Campingbus zum Wandern in einen Nationalpark, wo jetzt in den Sommerferien in Australien Hochbetrieb herrscht. „Ich werde mein Zelt mitnehmen und abgelegen von Menschenmassen in Flussnähe mein Camp aufschlagen, um zu angeln, zu entspannen und um die nachtaktiven Tiere wie Possums und Eulen zu beobachten. Der Weihnachtszirkus läuft für mich nur nebenbei und ich freue mich darauf, entspannen zu können.“ Dabei denkt sie auch an ihre Familie und Freunde in Varel.
Weltreise geplant
Nicole Kramer hat schon wieder das Fernweh gepackt: „Ab Mitte nächsten Jahres bin ich weg aus Australien“, kündigt sie an, „ich habe vor, der westlichen Kultur eine Zeit lang den Rücken zu kehren und drei bis fünf Jahre um die Welt zu reisen, um bei verschiedenen Stämmen in Entwicklungsländern Volontärarbeit zu leisten“. Zunächst soll es nach Vanuatu im Südpazifik gehen. Dort hat sie im Urlaub in einem Dorf mit Einheimischen gewohnt. „Ich habe noch nie so viele liebe Menschen auf einem Haufen getroffen wie die Ni-vans, die Einheimischen in Vanuatu. Jetzt verstehe ich, warum das Land fünfmal zur glücklichsten Nation der Welt gewählt worden ist“.
