VAREL - Im November gehören sie zum Straßenbild: Reserviste und aktive Soldaten der Bundeswehr, die mit Sammeldosen für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sammeln. Auch an diesem Sonnabend sind Thomas Müller (33) und weitere Mitglieder der Reservistenkameradschaft in der Innenstadt und auf dem Vareler Wochenmarkt unterwegs. Unterstützt werden sie von Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, der Vorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Varel ist.

Aus den Spenden der Straßensammlung finanziert sich der Volksbund zu großen Teilen. Doch die Zahl der Spendensammler ist in Varel gesunken, wie Bürgermeister Wagner bedauert. Wurde die Straßensammlung früher von Schulen unterstützt, ist ihre Zahl stark zurückgegangen. Schüler des Gymnasiums haben sich zwar gemeldet, doch die anderen Schulen haben sich zurückgezogen.

Reservist Thomas Müller war bis 2004 als Zeitsoldat bei der Marine. Jetzt lebt der aus Frankfurt/Oder stammende Müller in Varel. Er selbst würde gern einmal Kriegsgräber in anderen Ländern pflegen, dort, wo das Spendengeld für den Volksbund eingesetzt wird. „Das Spendengeld kommt denen zugute“, sagt Thomas Müller.

Der Bürgermeister hat sein Amt von August Osterloh übernommen. „Ich unterstütze das gerne und bin bei den Sammlungen dabei“, sagt Wagner. Die Pflege der Kriegsgräber sei Mahnung für die Lebenden und die zukünftigen Generationen. Gespendet werden kann übrigens auch im Rathaus, wo eine Sammelbüchse aufgestellt ist. Dort können sich auch Interessierte für die Straßensammlung melden.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat etwa 500 000 aktive Förderer sowie nach eigenen Angaben über eine Million Gelegenheitsspender und Interessenten. Mit den Mitgliedsbeiträgen und Spenden sowie den Erträgen aus der Haus- und Straßensammlung, die einmal im Jahr stattfindet, finanziert sich der Volksbund zu fast 80 Prozent. Der Rest kommt aus öffentlichen Mittel des Bundes und der Länder.

Der Volksbund betreut 824 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten mit etwa 2,4 Millionen Kriegstoten. Grundlage sind bilaterale Abkommen mit den jeweiligen Staaten. Beschäftigt werden mehr als 9000 ehrenamtliche und 582 hauptamtliche Mitarbeiter.

Die Unterhaltung der Friedhöfe stellt den Volksbund vor immense Schwierigkeiten: Viele der über hunderttausend Grablagen seien nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert. Trotzdem richtete der Volksbund während der letzten Jahre über 300 Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges und 190 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder her oder legte sie neu an. Dazu zählen 54 zentrale Sammelfriedhöfe. Etwa 673 000 Kriegstote wurden umgebettet.

Mit der Anlage und Erhaltung der Friedhöfe bewahrt der Volksbund das Gedenken an die Kriegstoten. „Die riesigen Gräberfelder erinnern die Lebenden an die Vergangenheit und konfrontieren sie mit den Folgen von Krieg und Gewalt“,so die Idee der Friedensarbeit, wie sie der Volksbund versteht.

Der Volksbund organisiert unter anderem Fahrten zu den Kriegsgräbern, veranstaltet nationale und internationale Jugendlager zur Pflege von Soldatenfriedhöfen und informiert in Schulen und Schulfreizeiten. Das Leitwort lautet „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“. Der Volksbund unterhält in der Nähe von vier Friedhöfen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten (Lommel/Belgien, Ysselsteyn/Niederlande, Niederbronn/Frankreich, Golm/Usedom). Dort werden Schul- und Jugendgruppen ideale Rahmenbedingungen für friedenspädagogische Projekte vorfinden. Schulen aus der Region haben sich in den vergangenen Jahren daran beteiligt, zum Beispiel die Haupt- und Realschule Zetel in Niederbronn-les-Bains.