VAREL - Wenn Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann an diesem Donnerstag das Lothar-Meyer-Gymnasium in Varel besucht, wird sie es auch mit Vertretern hiesiger Grundschulen zu tun bekommen. In Varel weitet sich der Protest gegen die vom Land Niedersachsen geplante Abschaffung der Vollen Halbtagsschulen aus.
In der Grundschule Büppel hatten sich am Montagabend auf Einladung des Vareler Stadtelternratsvorsitzenden Djure Meinen mehr als 50 Eltern, Lehrer und Politiker aus Friesland, Ammerland und Oldenburg getroffen und beraten, was bis zur wichtigen CDU-Fraktionssitzung am 18. März in Hannover bzw. der Landtagssitzung am 25. März getan werden kann. Unter anderem sollen die Kommunen als Schulträger der Grundschulen aktiviert werden. Laut § 189 Niedersächsisches Schulgesetz kann nur der Schulträger über eine Aufhebung der Schulform entscheiden. Dieser Paragraf soll nun jedoch geändert werden, damit das Land selber entscheiden kann.
Mehr Lehrerstunden
Einhellig wurde in der Versammlung in Büppel deutlich gemacht, wie wichtig die Volle Halbtagsschule in der Bildungslandschaft ist. Aufgrund des im Vergleich zur Regelschule besseren Lehrerstundenangebots können auch Förderkurse wie übendes Lernen, Integrationsarbeit in Sprachheilklassen und Projektunterricht angeboten werden.
Drei Modellschulen
Ursprünglich sollte die Volle Halbtagesschule ab Ende der 1980er Jahren flächendeckend in Niedersachsen eingeführt werden, was jedoch recht bald aus finanziellen Gründen scheiterte. In der Folge entstand eine abgespeckte Schulform – die Verlässliche Grundschule. Sie ist heute die Regelschule. Neben der Grundschule Büppel sind in Friesland noch die Grundschulen Jungfernbusch in Schortens und die Grundschule Cäciliengroden in Sande Volle Halbtagsschulen.
Varels SPD-Ratsherr und Ex-Minister Karl-Heinz Funke, der ebenso an der Sitzung in Büppel teilnahm wie der SPD-Landtagsabgeordnete Olaf Lies, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner und der Schortenser SPD-Ratsherr Peter Torkler, hat einen Brief an Ministerpräsident Christian Wulff geschrieben. Darin bittet er, die Entscheidung, die Vollen Halbtagsschulen abzuschaffen und in Verlässliche Grundschulen umzuwandeln, noch einmal zu überdenken. Zwar hätten auch frühere Landesregierungen solche Überlegungen angestellt, so Funke, sich dann aber für eine Bestandsgarantie entschieden – zumindest bis auch Grundschulen eventuell zu Ganztagsschulen weiterentwickelt werden.
Pädagogisch anerkannt
Nach Ansicht von Funke haben Eltern und Lehrer über lange Zeit viel Arbeit, Kraft und Herzblut in die Vollen Halbtagsschulen eingebracht. Diese Schulform sei im hohen Maße pädagogisch anerkannt und beliebt. Sie gelte bei Kindern, Eltern und Lehrern geradezu als vorbildlich.
In der Grundschule würde eine entscheidende Basis für die Bildung gelegt, so Funke. Im Interesse der Mädchen und Jungen und deren Zukunft dürften nicht finanzielle Gründe den Ausschlag dafür geben, dass pädagogisch Sinnvolles geopfert wird.
