VAREL - Auch mit 72 Jahren ist Hans Röttgers kein Weg zu weit. Der Vareler ist gerade von einer Tour durch Tadschikistan zurückgekehrt. Alleine ist er nach Zentralasien gereist, traf sich dort mit seinem Dolmetscher Saadi, einem 26-jährigen Journalistik-Studenten, und bereiste in seiner Begleitung das südliche Tadschikistan.
Doch warum Tadschikistan? „Vor zwei Jahren war ich im Süden Kirgisistans am Fuß des 7000 Meter hohen Pik Lenina. Die schneebedeckte Alai-Range, die die Nordgrenze des Pamir-Gebirges bildet, hatte es mir angetan“, schwärmt der Vareler.
Mit dem Rucksack
Hans Röttgers startete seine dreiwöchige Rucksacktour von der Hauptstadt Dusanbe aus. „Öffentliche Verkehrsmittel, wie wir sie kennen, gibt es in Tadschikistan nicht.“ Der Deutsche ging mit seinem tadschikischen Begleiter, mit dem er sich auf Englisch verständigte, auf den Marktplatz. „Dort stehen Männer mit Jeeps, die Fahrten in verschiedene Orte anbieten. Sie fuhren nach Kalaikum an der afghanisch-tadschikischen Grenze. „Tadschikistan ist für Touristen ein sicheres Land“, sagt der Vareler. „So viele Polizisten wie dort habe ich noch nicht gesehen. Ich habe mich absolut sicher gefühlt. Das habe ich auch von anderen Leuten gehört, die ich unterwegs getroffen haben.“
Auf schmalen Pisten
Die Fahrt gen Süden auf dem Pamir-Highway ist abenteuerlich. „Das ist eine schmale Piste mit Felsbrocken auf der Straße, die nur mit Allrad-Antrieb zu befahren ist: links von uns das steile Pamir-Gebirge, rechts von uns ging es bergab zum Grenzfluss Pandsack. Am anderen Flussufer beginnt der hoch aufragende Hindukusch. Es gibt so schmale Straßen, dass zwei Fahrzeuge kaum aneinander vorbeifahren können. Autopannen waren auch keine Seltenheit“, erzählt Röttgers.
Zwei Dinge sind es, die ihn in Tadschikistan jeden Tag aufs Neue faszinierten. „Zum einen ist es die karge Landschaft, zum anderen sind es die freundlichen Menschen, die unter einfachsten Bedingungen ein entbehrungsreiches Leben führen müssen.“ Über seinen Dolmetscher Saadi bekam Röttgers immer wieder schnell Kontakt zu den Einheimischen. Sie wurden öfter zum Essen eingeladen. Sie schliefen in einfachen Häusern, in denen Bauern unmöblierte Zimmer für Gäste bereithalten. Mit seinem Schlafsack hatte sich der 72-Jährige nachts auf den Boden gelegt.
Einfaches Leben
Das einfache Leben in Tadschikistan und damit der Kontrast zum reichen Deutschland ist es letztlich, das Hans Röttgers in den vergangenen Jahren immer wieder nach Zentralasien gelockt hat. „Wenn man zurückkommt, merkt man erst, wie gut es uns geht – Essen im Überfluss, Hygiene, ein funktionierendes Gesundheitssystem.“
In Tadschikistan fehlt es an vielen Ecken und Kanten. In Dusanbe hätte Röttgers sofort als Englisch-Lehrer anfangen können, hat es aber mit Rücksicht auf seine Frau in Varel nicht getan. „Für ein paar Monate hätte ich schon Lust gehabt“, meint er. Doch es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er Tadschikistan besucht hat.
Für ferne Länder hatte sich Hans Röttgers schon als junger Mann begeistert. Als Oberschüler heuerte er in den Sommerferien in Hamburg auf einem Schiff an und fuhr bis nach New York und nach Guayaquil in Ecuador. „Das liegt bei uns wohl so im Blut“, meint er. „All meine Vorfahren waren Seefahrer“, sagt Röttgers, der früher sein Geld als Lehrer für Englisch und Geografie an der Realschule Varel verdient und sich sein Fernweh stets bewahrt hat. Demnächst wird Hans Röttgers beim Katholischen Bildungswerk Bilder von seiner Reise nach Tadschikistan zeigen und von seinen Erlebnissen erzählen.
