VAREL - Das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung soll nach dem Willen der Landesregierung künftig für die Eltern beitragsfrei sein. Das machte Heinz-Wilhelm Brockmann vom Kultusministerium am Dienstagabend während der öffentlichen Mitgliederversammlung des CDU-Stadtverbandes Varel im Hotel „Ammerländer Stuben“ deutlich. Das Gesetz soll noch im Juli verabschiedet werden. Demnach gibt es einen Rechtsanspruch auf den unentgeldlichen Besuch des letzten Kindergartenjahres vor der Einschulung.

Nach Ansicht von Brockmann hat man zuletzt in vielen Bereichen der Erziehung und Bildung eine Revolution erlebt. Schulen seien nicht mehr gut genug, die Ergebnisse in den Schulen eher mittelmäßig. Zudem gäbe es bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund große Probleme. Das bisherige Motto der Kindertagesstätten „Lasst Kindern ihre Freiheit“ sei völlig falsch. „Für Kinder gibt es keinen Unterschied zwischen Spielen und Lernen. Man darf Kinder nicht unterfordern. Forschendes Lernen der Kinder findet längst statt. Das ist eine Chance, die wir wahrnehmen müssen“, so Brockmann.

Die Zusammenarbeit seitens des Kultusministeriums mit den Kindertagesstätten, die sich zu 43 Prozent in freier Trägerschaft befinden, ist laut Brockmann intensiviert worden. So sei ein Orientierungsplan als gemeinsames Projekt für Erziehung und Bildung aufgestellt worden. „Für Kinder ist die emotionale Entwicklung, das soziale Lernen und das mathematische Entdecken wichtig. Zudem muss die Freude an der Bewegung gefördert werden“, fordert Brockmann, schließlich seien 40 Prozent der Grundschulkinder übergewichtig. „Das ist eine tickende Zeitbombe“, so der Ministerialdirigent.

Die Sprache ist nach seiner Ansicht allerdings die Schlüsselkompetenz. Die Grenze der Sprache bedeute für Kinder zugleich die Grenze der Wahrnehmung. Die Einführung eines Sprachtests ein Jahr vor der Einschulung soll dem Rechnung tragen. Kinder, die diesen Test nicht bestehen, erhalten ein Jahr lang in den Kindertagesstätten ein Sprachtraining.

Zum Thema Unterstützung für die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten äußerte sich Brockmann defensiv. Das Land stelle eine Vielzahl von Mitteln für die Lehrkräfte zur Verfügung. „Im Bereich Ausbildung hält sich das Land aber noch zurück, weil die Trägerschaften in vielen Händen liegen.“ Brockmann könne sich aber durchaus die Einstellung von Lehrkräften mit Fachhochschul-Abschluss vorstellen. „Die Früherkennung von Problemen bei Kindern ist sehr wichtig. Das stellt hohe Ansprüche an die Ausbildung. Das würdigt in keiner Weise die Leistung der bisherigen Arbeit der Lehrkräfte in den Kindertagesstätten herab. Ich bin fasziniert, wie sich die Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätten weitergebildet haben“, lobte Brockmann.

Er forderte zudem eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Kindertagesstätten. Das eingeführte Brückenjahr sei der richtige Weg. „Die persönlichen Lebenswege und Begabungen der Kinder müssen gefördert werden“, so Brockmann.