Altenoythe - Streitereien auf dem Schulhof gibt es schon so lange, wie es Schulhöfe gibt. Ein heulender Junge mit blauem Auge – auch keine Erscheinung der Neuzeit. Aber ein Jugendlicher, der mit einem Ausdruck seiner Facebook-Seite beweist, wie schlimm er von Mitschülern beschimpft wird, erlebt Mobbing auf einer neuen Ebene.
Hilfe suchen sich die Schüler der Hauptschule Altenoythe – nicht nur bei Mobbing, sondern auch bei anderen Problemen – bei der Schulsozialarbeiterin Anja Vaske und der Diplom-Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin Kira Döpke. Die beiden jungen Frauen haben einen Einblick in die Welt der Schüler, die sich in den letzten Jahren stark verändert hat.
Auseinandersetzung fehlt
„Die Hemmschwelle ist gefallen“, sagt Kira Döpke. Die 29-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass Schüler im Internet Beleidigungen schreiben, die ihnen auf dem Schulhof wohl nicht über die Lippen kommen würden. Der Grund ist leicht nachzuvollziehen: „Die Schüler schreiben das, loggen sich wieder aus oder surfen weiter, sie müssen sich nicht mit der Reaktion ihres Opfers auseinandersetzen, wenn sie per Internet beleidigen.“ Besonders belastend für das Opfer: Das Mobbing hört nach der Schule nicht auf, sondern geht im Netz weiter.
Die Art, zu streiten, habe sich bei den Jugendlichen, die viel Zeit in Sozialen Netzwerken im Internet verbringen, verändert. „Viele* können nur noch sehr schwer Emotionen zeigen. Es gibt keine richtige Streitkultur mehr, bei der man sich miteinander auseinandersetzt“, erklärt Kira Döpke.
Oftmals könnten die Jugendlichen keine Erklärung dafür abgeben, warum sie sich überhaupt streiten oder andere beleidigen, sagt Anja Vaske.
Umso wichtiger sei es, dass sie miteinander ins Gespräch gebracht werden. „Wir bieten den Schülern Raum, die Dinge zu klären und stoßen Gespräche an“, erklärt die Schulsozialarbeiterin. Ihre Tür – und auch die ihrer Kollegin – stünde immer offen.
Es ist aber nicht die einzige Aufgabe von Anja Vaske und Kira Döpke, Streit zu schlichten. Sie versuchen auch, Probleme zu erkennen, die manche der knapp 350 Schüler vielleicht in ihrer Familie haben. Einmal habe sie wegen Kindeswohlgefährdung in der Familie gar das Jugendamt einschalten müssen, erzählt Kira Döpke. Sie hat gelernt, mit so etwas umzugehen.
Problemen vorbeugen
Nicht zuletzt geht es darum, die Kinder stark fürs Leben zu machen und Problemen vorzubeugen. Am Nachmittag bietet Anja Vaske deswegen verschiedene Projekte an, zum Beispiel Mannschaftssportarten in der Turnhalle. Kira Döpke hilft den Schülern am Nachmittag bei der Berufsorientierung, macht Bewerbungstraining und andere Projekte in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit. Gerade hat sie einen neuen Sozialen Trainingskursus gestartet.
Die Stellen von Anja Vaske und Kira Döpke sind an bestimmte Projekte gebunden (siehe Infobox) und damit befristet. Für die jungen Frauen stellt sich regelmäßig die Frage, ob die Projekte verlängert werden, nicht aber die, ob Sozialpädagogen an Schulen gebraucht werden. „Es wäre schön, wenn man uns nicht bräuchte“, sagt Anja Vaske. „Aber ich glaube, dass immer mehr Kinder in den Familien mehr und mehr auf sich allein gestellt sind und Ansprechpartner in der Schule brauchen, denen sie vertrauen können.“
