Haarentor - Beengte Verhältnisse dürften Johann Heinrich Möhlendorf wohl als Dorfschullehrer in der Gemeinde Ganderkesee vertraut gewesen sein. Doch die Enge, die er vorfand, als er als erster Lehrer im Herbst 1862 mit dem Unterricht in der gerade fertiggestellten Haarentorschule begann, überstieg denn doch seine Vorstellungskraft. In einem großen Raum musste Möhlendorf 66 Kinder (acht Jahrgänge) unterrichten. Das Schulgebäude war an der Ecke Haarenfeld/Ammerländer Heerstraße (damals: Ammerländer Chaussee) errichtet worden und lag somit – noch – vor den Stadttoren.

Lehrer Möhlendorf war mit mit den Gegebenheiten unzufrieden, auch sein Gehalt erschien ihm viel zu gering. Nachzulesen ist das (und vieles mehr) in der Festschrift, die die Haarentorschule zu ihrem 150-jährigen Bestehen herausgebracht hat. Der Charme dieses Werkes: Im ersten Abschnitt erzählen Schülerinnen und Schüler die historischen Ereignisse wieder. In einer Projektwoche haben sie sich mit der Chronik beschäftigt. Im zweiten Teil kommt der Architekt Peter R. Voss zu Wort. Er hat für sein demnächst im Isensee-Verlag erscheinendes Buch die Geschichte der Haarentorschule zusammengefasst. Und in einem dritten Teil schildert Heinz Dedering, der insgesamt 14 Jahre an der Schule war (als Schüler und als Lehrer), seine Erlebnisse.

Mit 66 Schülerin ging es also los, schnell wuchs die Schar. Im Jahr 1886 waren in nur einer Klasse 120 Kinder. Weil der Platz einfach nicht mehr reichte, wurde 1898 neu gebaut; am heutigen Standort am Schützenweg. Die einzelnen Abschnitte der Schulgeschichte werden in der Festschrift beschrieben. Und eine Ausstellung unter dem Titel „Erinnerungen an die Haarentorschule“ gehört zur Festwoche, die am Mittwoch mit einem Festakt eröffnet wird (siehe Info-Kasten).

Von einer Dorfschule, zur Volksschule und dann zur Grundschule: Die Entwicklung schritt stetig voran. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde an das neue Gebäude angebaut. Später kam ein Mehrzweckraum hinzu, es wurde renoviert, saniert, in den Jahren 1982/83 erstand auf dem südlichen Schulgelände die Sporthalle des Turnvereins vor dem Haarentor, die auch für den Schulsport genutzt wird. Der Schulhof wurde zum Spielplatz. 1992 eröffnete der Hort. Mit einer Schulhofumgestaltung im Jahr 2006 wurden die Pausen noch schöner.

Längst sind die beengten Zeiten vorbei. Für die etwa 150 Kinder der Haarentorschule gibt es heute viel Platz zum Lernen und Spielen.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg