Ramsloh - „Gouden Dai“, begrüßt Lehrer Volker Kramer die Schüler des Wahlfaches „Saterfriesisch“ am Laurentius-Siemer-Gymnasium (LSG). Kurz darauf holen die Fünftklässler Stifte und Papier aus ihren Schultaschen. Ein Vokabeltest steht an. Zehn Vokabeln fragt Kramer ab. Mal müssen die Kinder die deutsche, mal die saterfriesische Übersetzung finden. Los geht es mit dem Wort alt (oold), dann Skap (Schrank), zusammenpassen (touhope paasje), hongje (hängen), hübsch (fluch), Zimmer (Komer), knapp (betüümt), elf (alwen), weitergucken (wiederkiekje/färekiekje) und Frau (Wieuw).
Seeltersk auch zu Hause
Kramer sammelt die Zettel ein. Dann bekommen die sieben Schüler einen Text über Lehrer Niemöller, natürlich auf Saterfriesisch (Seeltersk) von der Ramsloher Autorin Gretchen Grosser. Anna beginnt mit dem Vorlesen. Erst am Mittwoch ist die Scharrelerin – wie berichtet – Siegerin des saterfriesischen Lesewettbewerbs in der Gruppe der Fünft- und Sechstklässler geworden.
Den Rest des Textes teilen sich Malin und Melis. Letztere ist im zweiten Schulhalbjahr zu der Gruppe gestoßen. „Du hast ganz toll gelesen“, lobt sie Kramer. Melis kommt aus Elisabethfehn. Dort wird Saterfriesisch eigentlich nicht gesprochen, sondern Plattdeutsch. Auch die anderen Schüler beherrschen die saterfriesische Sprache gut. Kein Wunder, denn bei ihnen wird auch zu Hause Seeltersk gesprochen. „Mein Vater und meine Oma sprechen Seeltersk“, sagt Malin aus Sedelsberg. Bei Anna sind es Uroma und -opa. „Sie sprechen nur Seeltersk“, sagt sie. Und auch Jula (Scharrel), Gregor und Simon (beide Strücklingen) balen Zuhause Seeltersk.
Kramer gibt den Schülern eine Hausaufgabe mit auf den Weg: eine Inhaltsangabe des Textes auf Hochdeutsch. Die Gruppe wird sich nächsten Mittwoch in der siebten und achten Stunde zum Unterricht wieder treffen. Mit den Noten, die die Schüler am Ende des Kurses bekommen, kann eine schlechte Note ausgeglichen werden.
Das Wahlfach gibt es seit Anfang dieses Schuljahres am LSG. Es sei einzigartig, sagt Kramer. Eigens für das Fach sei ein Curriculum erstellt worden. Erst kurz vor Beginn des Schuljahres hat das Kultusministerium das Wahlfach genehmigt. Das LSG bietet es an, um die Anstrengungen in den Grundschulen zum Erhalt der Sprache fortzusetzen. So hofft man, dass sich auch im nächsten Schuljahr Schüler für das Fach begeistern können. Die Anmeldungen können in der nächsten Woche erfolgen.
Seit dem vergangenen Schuljahr gibt es am LSG auch eine Theater-AG „Saterfriesisch“. Dort ist Kramer für die Sprache zuständig. Die dramaturgische Leitung hat Marion Horst aus Nordloh. Jeden Donnerstagnachmittag wird geprobt. Dafür darf die Gruppe die Aula des benachbarten Schulzentrums benutzen. Derzeit steht der Roman „Momo“ von Michael Ende auf dem Programm. Die 45-jährige Horst hatte Teile des Kinderbuchklassikers in eine Bühnenfassung gebracht. Auch hier übersetzte Grosser ins Saterfriesische, die letzten Teile erst vergangene Woche. Am Donnerstag bekamen die 30 Schüler der Theater-AG die noch fehlenden Texte.
Aufführung im Herbst
Auch Melis nimmt an der AG teil. Zusammen mit den anderen Schülern des Wahlfaches ist sie an diesem Donnerstag Sprachcoach. Denn viele der AG-Teilnehmer können kein Saterfriesisch. „Die meisten sind Anfänger“, sagt Horst. Sowohl was die Sprache, als auch die Bühnenerfahrung betrifft. Auch sie selber könne keine Wort Seeltersk sprechen. Aber dafür ist ja Kramer da.
Horst unterrichtet Deutsch, Kunst und Darstellendes Spiel und leitet zusätzlich die AG. In ihrer Freizeit ist sie am Staatstheater Oldenburg und für den Niederdeutschen Bühnenbund tätig. Ende November/Anfang Dezember soll „Momo“ aufgeführt werden. Bis dahin wird noch fleißig geprobt.
