Seefeld/Schwei - So fröhlich geht es im Rathaus nur selten zu: 13 Kinder, 13 Mütter und 1 Vater aus Schwei und Seefeld strömten am Montagnachmittag in den Sitzungssaal. Sie überreichten Bürgermeister Klaus Rübesamen ein gemeinsames Konzept für die Erhaltung ihrer beiden Grundschulen.
Zwei Punkte stehen im Mittelpunkt ihrer Argumentation:
Beide Dörfer müssen wieder wachsen – vor allem um junge Familien.
Und jahrgangsgemischte Eingangsstufen sind keine Not, sondern eine Tugend.
Klar für Eingangsstufen
„Kurze Wege für kurze Beine – ein Plädoyer für die Zwergschulen in unserer Gemeinde“ ist der Appell überschrieben, den Eltern von Kita- und Grundschulkindern in beiden Dörfern gemeinsam formuliert werden. In Schwei gibt es schon eine Eingangsstufe, in Seefeld wird sie im nächsten Schuljahr wieder eingerichtet – in beiden Fällen, weil es für zwei Klassen nicht genügend Schüler gibt. Beide Schulen unterrichten jeweils etwa 50 Schüler.
„Die jahrgangsgemischte Eingangsstufe ist eine Möglichkeit, Kindern in den ersten beiden Jahren ihrer Schulzeit ein höheres Maß an individueller Förderung und zugleich an Kooperation im Sinne eines sozialen Lernens zu ermöglichen“, schreiben die Eltern in ihrem Konzept. „So ist die Eingangsstufe keine Notlösung für zu kleine Klassen, sondern stellt wegen ihrer heterogenen Prägung eine durchaus sinnvolle pädagogische Alternative zur Jahrgangsklasse dar.“
Weil Lerninhalte von zwei Schuljahren zur Verfügung stehen, könnten begabte Kinder in besonderer Weise gefördert werden. Ebenso dürfe ein Kind, das langsamer lerne, die Eingangsstufe in drei statt in zwei Jahren zu durchlaufen. „Auch große Schulen, zum Beispiel in Großstädten, haben jahrgangsgemischte Klassen eingeführt, weil sie von diesem Konzept überzeugt sind“, schreiben die Eltern.
Klar sprechen sich die Eltern für Neubaugebiete in ihren Dörfern aus. Für Seefeld schlagen sie das Grünland hinter der Schule vor: Die Kinder könnten von hier zu Fuß zum Unterricht kommen. Schon jetzt steige die Zahl der Kinder, wie die hohe Auslastung der Krabbelgruppe in der Pastorei zeige. Für Schwei ist, wie berichtet, ein Baugebiet nördlich des Ortsausgangs geplant.
In eigenen Beschreibungen arbeiteten die Eltern zudem die Vorzüge der jeweiligen Orte heraus. Seefeld habe eine relativ neue, komplett ebenerdige und ausbaufähige Schule, Schwei liege wegen der Bundesstraße 437 und der geplanten Küstenautobahn A 20 sehr verkehrsgünstig.
Haupt- und Nebenstelle
Für Seefeld trugen Katja Grabhorn und Insa Diekmann vor, für Schwei äußerten sich Tanja Weber, Tanja Schlüter und Andrea Arens.
Bürgermeister Klaus Rübesamen dankte ihnen für „die tolle Arbeit“. Es sei nicht Ziel, eine Schule zu schließen, sagte er unter dem Applaus der Eltern. Er schloss aber nicht aus, dass es so kommen könnte. wenn die Schülerzahlen weiter sinken. Nach wie vor sei in der Diskussion, eine der beiden kleinen Schulen zum Hauptsitz und die andere zur Nebenstelle zu machen, damit nur ein Schulleiter gefunden werden muss.
Das Konzept der Eltern soll – wie das der Lehrer und das des Bauamtes der Gemeindeverwaltung – in den Schulausschuss des Rates gegeben werden, der darüber in etwa zwei Wochen beraten wird. Erst nach den Sommerferien werde er eine Beschlussvorlage an den Ausschuss weiterleiten, sagte Klaus Rübesamen: „Die Entscheidung liegt bei der Politik.“
