Friesoythe - Ein Nerd ist nach der Definition des Duden ein sehr intelligenter, aber sozial isolierter Computerfan. Im weiteren Sprachgebrauch werden auch Menschen, die sich intensiv mit Naturwissenschaften und Technik befassen, als Nerds bezeichnet. Eine positiv gemeinte Bezeichnung ist das allerdings nicht.

René Rahrt aus Barßel und Felix Schonebeck aus Friesoythe könnten – oberflächlich betrachtet – als Nerds durchgehen. Vor kurzem erreichten beide ihr Abitur mit der Traumnote 1,0 am Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe. Ihre Schwerpunktfächer waren Chemie, Biologie und bei Schonebeck Latein, bei Rahrt Englisch.

Doch Nerds definitiv nicht. Rahrt gibt als sein Hobby Standard- und Lateintanz an und Schonebeck engagiert sich in der Big Band Bösel und der Jungen Union. Das Vorurteil kennen sie zwar schon, sehen das aber locker: „Ich weiß ja, dass ich nicht nur auf Naturwissenschaften versteift bin“, sagt Schonebeck. Rahrt pflichtet ihm bei: „Und die Leute, die uns näher kennen, wissen wie wir sind.“

Das die beiden ein Einser-Abitur schaffen würden, war ihnen klar. „Ich hatte das vorher schon mal durchgerechnet“, sagt Rahrt. „Ich bin nach der Notenvergabe noch in die Nachprüfung gegangen, um meinen Durchschnitt auf 1,0 zu verbessern“, erzählt Schonebeck. „Ich hab mich riesig gefreut, als es geklappt hat.“

Nach dem Abitur wollen die beiden nun studieren. Beide Biochemie, beide in Göttingen. „Das ist aber reiner Zufall“, sagt Schonebeck. Die 18-Jährigen sind auch schon in Göttingen gewesen, und haben sich dort umgesehen. „Ich weiß gern, was auf mich zukommt. Ich plane alles und sammele Informationen. Das ist vielleicht schon ein bisschen nerdig“, sagt Rahrt lachend.

Ihre berufliche Zukunft stellen sich die beiden aber unterschiedlich vor. „Ich würde gern an der Uni bleiben“, sagt Rahrt. Er plant zu promovieren und will sich der Forschung widmen. „Ich finde an Naturwissenschaften spannend, dass man genau vorhersehen kann, wie Dinge reagieren. Aber wichtiger ist noch, dass es den Menschen nutzt“, sagt Rahrt. Felix Schonebeck hingegen sieht eher eine Karriere in der Wirtschaft vor sich. „Ich könnte mir auch vorstellen als Patenanwalt im naturwissenschaftlichen Bereich zu arbeiten“, sagt er.

Trotz eines Traumabiturergebnisses gibt es auch Bereiche, die die beiden jungen Männer nicht so gut beherrschen. „Kunst hab ich direkt nach der neunten Klasse abgewählt“, erzählt Schonebeck. Rahrt erging es ähnlich mit dem Fach Musik. „Es fehlte einfach die Begeisterung für die Fächer“, sagt Rahrt. Was die beiden nicht abwählen konnten war Sport – „aber das zählt glücklicherweise nicht für das Abiturergebnis, sonst wäre es wohl nicht so gut ausgefallen“, sagt Schonebeck lachend.

Ein wenig erfüllen die angehenden Wissenschaftler dann doch das Klischee.