Nordwestdeutsches Schulmuseum Bohlenbergerfeld

Das Schulmuseum feiert am Sonnabend, 30. August, seinen 30. „Geburtstag“. Ab 14 Uhr erwartet die Gäste ein großes Jubiläumsfest mit einem bunten Programm für die ganze Familie.

Als nächste Veranstaltung folgt ein „Erzählcafe“ am Mittwoch, 3. September, ab 17 Uhr im Museum. Dazu sucht das Museum Erinnerungsstücke an die Schulzeit und deren Geschichten. Es steht unter dem Motto „Poesiealbum, Foto, Ranzen und mehr. Aufgehobene Dinge – zum Erinnern und Erzählen.“

Das Nordwestdeutsche Schulmuseum wurde 1978 von Bodo Wacker gegründet. Es ist das älteste, eigenständige Schulmuseum Deutschlands. Mitte der 70er Jahre wurden sehr viele kleine Landschulen geschlossen und zu Mittelpunktschulen zusammengeführt. Um zu verhindern, dass die alten Lehr- und Lernmittel sowie sonstige Schuleinrichtungen unwiederbringlich verloren gingen, wurde das Schulmuseum in der ehemaligen Volksschule Bohlenbergerfeld eingerichtet.

Zunächst unterstützte die Dorfgemeinschaft Bohlenbergerfeld das Museum, dann der Heimatverein Zetel, nun ist die Gemeinde Zetel der Träger. Das Museum arbeitet eng mit dem Schlossmuseum Jever und deren Leiterin Ursel Wacker zusammen.

Das Schulmuseum besteht 30 Jahre. Es wird sich den neueren Entwicklungen im Schulwesen öffnen, ist Mitbegründerin Ursel Wacker überzeugt.

Von Hans Begerow

Frage: Frau Wacker, wie ist es zur Gründung des Schulmuseums vor 30 Jahren gekommen?

Wacker: Auf die Idee ist mein Mann Bodo Wacker gekommen. Er war damals Mitglied im Gemeinderat und im Schulausschuss. Zu der Zeit wurden die Dorfschulen aufgelöst – Schweinebrück, Driefel, Ellens und Bohlenbergerfeld. Mein Mann bekam den Auftrag: Schau dir an, was sich da noch lohnt aufzuheben. Es war die Zeit, als man sich gerne von den alten Sachen trennte. Überall wurde, mit Recht, Neues angeschafft und das Alte weggetan. Da kam meinem Mann die Erkenntnis, dass man sich nicht vollkommen von der Vergangenheit trennen darf. Jedenfalls hat er dann alte Sachen aus den Schulen aufgehoben. Zu der Zeit stand die Schule Bohlenbergerfeld leer, so dass er die Sachen dort stapeln konnte.

Frage: Woher kamen die Fundstücke?

Wacker: Sehr viel haben wir aus Bohlenberge bekommen. Dort hatte jahrzehntelang Herr Gödecken gearbeitet. Und die Familie war bekannt, dass sie nichts wegtat. Da war eine komplette Klasseneinrichtung vorhanden, da waren die Schulakten, und eben auch Schuleinrichtungen. Das haben wir zusammengetragen und mit Hilfe von alten Lehrern, darunter meinem Vater, der sich gut auskannte, eine Schulklasse zusammengestellt. Dazu gehörten Pulte, Rechentafeln und Tintenfässer, Kartenständer und Bilder.

Frage: Dann kam es zur Museumseröffnung ...

Wacker: Richtig, 1978 haben wir eröffnet. Wir hatten unheimlichen Zuspruch, davon waren wir ganz überwältigt. Mein Mann hatte vorher gesagt: Wenn es nicht klappt, dann machen wir eben wieder zu.

Frage: Aber es klappte.

Wacker: Es klappte, und dann wurde es ein Selbstläufer. In Bohlenbergerfeld unterschied sich das Konzept von anderen Einrichtungen. Die Schule war nicht Beigabe einer Dorfinszenierung wie in Wiesmoor oder Cloppenburg. Mein Mann wollte den Akzent auf das Bewahren und Forschen legen. Das, was ein Museum auszeichnet, das hatte er sehr schnell in Angriff genommen.

Frage: Wann haben Sie das Projekt auf mehrere Schultern verteilt?

Wacker: Anfangs hat sich die Dorfgemeinschaft Bohlenbergerfeld stark eingebracht. Mein Mann und ich, wir waren beide im Schuldienst. Mein Mann konnte das alleine ja gar nicht bewältigen. So haben sich Mitglieder der Dorfgemeinschaft Bohlenbergerfeld engagiert. Weil mein Mann die Führungen nicht immer leisten konnte, hat er die Tonbildschau geschrieben, die in veränderter Form immer noch gezeigt wird und die hinweisen soll auf Verhältnisse, wie sie vor 100 Jahren herrschten ...

Frage: ... wie der unangemeldete Besuch des Schulrats in einer Dorfschule vor 120 Jahren?

Wacker: Genau, das ist bis in die 50er Jahre so gewesen. Das sollte dazu beitragen, dass die Besucher einen Eindruck bekommen, wie es war – ohne eine besondere Führung durch das Museum.

Frage: Haben Sie das selbst erlebt?

Wacker: Ich war ja Lehrerin in Bohlenbergerfeld. Es war eine dreigegliederte Schule, also drei Abteilungen in einer Klasse. Dass auf Tafeln geschrieben wurde, war noch üblich. Änderungen kamen in den 60er und vor allem 70er Jahren.

Frage: Wenn der Besucher das Schulmuseum betritt, dann steigt ihm die Erinnerung an die Schulzeit ...

Wacker: ... in die eigene Nase. Darauf hat mein Mann großen Wert gelegt. Er sagte: Alle Sinne müssen angesprochen werden. Zu der Zeit wurden die Holzböden der Schulen geölt. Und von dem Öl hatten wir glücklicherweise noch sehr viele Vorräte.

Frage: Werfen Sie doch mal einen Blick auf die nächsten 20 Jahre des Schulmuseums.

Wacker: Natürlich hat das Museum schon seine Gestalt verändert durch den Generationenwechsel. Das Umfeld ist wichtig und dass weiter Forschung betrieben wird. In Form von Sonderausstellungen kann das geschehen. Das Museum muss sich öffnen für weitere Entwicklungen im Schulwesen. Das wird bestimmt Thema sein.

„Das Museum wurde ein

Selbstläufer“

Ursula Wacker