Tettens - Eigentlich merkt man Suzanna, Adere und Abdulramon fast gar nicht an, dass sie nicht aus Deutschland kommen – so gut sprechen sie bereits Deutsch. „Auch zu Hause rede ich oft mit meinen Eltern Deutsch, damit ich immer besser werde“, erzählt die zehnjährige Adere aus Serbien. Seit gut einem Jahr wohnt sie nun mit ihrem Bruder Abdulramon und ihrer Familie im Wangerland, genau wie Suzanna aus Armenien.
Alle drei besuchen die Oldersum-Grundschule in Tettens – und fühlen sich sehr wohl. Schulleiterin Janna Reck ist eines besonders wichtig: Die Flüchtlingskinder im Unterricht zu ihren Mitschülern zu setzen. Zwar gibt es für die Kinder aus anderen Ländern auch gesonderten Sprachunterricht, „aber ansonsten sollten sie einfach bei den anderen sein, denn sie schauen sich so vieles ab und helfen sich gegenseitig“, meint Janna Reck.
Auf diesem Weg haben Suzanna, Adere und Abdulramon auch schnell Freunde gefunden. „Ich habe eine gute Freundin, mit der ich mich ganz oft nach der Schule treffe. Dann gehen wir zu ihr und spielen miteinander“, erzählt die zehnjährige Suzanna. Sie spricht mittlerweile so gut Deutsch, dass sie die Hauptrolle im Weihnachtsmusical der Grundschule bekommen hat. „Ich spiele die Miriam“, sagt sie stolz und zeigt in einem Buch, was sie alles singen wird.
Klassenlehrerin ist stolz
Bekommen hat sie die Rolle von ihrer Klassenlehrerin Martina Schilling-Raatz. „Das hat Suzanna verdient, sie kann nämlich auch gut schauspielern“, sagt Schilling-Raatz. Auch ihre Mitschülerin Adere leistet gute Arbeit. Erst kürzlich hat sie eine gute Note in der Sachkundearbeit bekommen.
„Adere brauchte während der Sachkundearbeit keine Hilfe bei den Fragen, sie hat sich alles selbst erarbeitet, Suzanna macht ihre Sache ebenfalls sehr gut“, lobt Klassenlehrerin Martina Schilling-Raatz. Und auch der achtjährige Abdulramon lernt von Tag zu Tag dazu: „Als er neu zu uns kam, konnte er kein Deutsch sprechen und jetzt sind seine Sätze sogar grammatisch korrekt.“
Martina Schilling-Raatz kümmert sich liebevoll um ihre Schüler. Und das nicht nur in der Schule: Sogar in ihrer Freizeit fährt sie regelmäßig zu den Flüchtlings-Familien, unterhält sich mit ihnen, fragt, ob sie Hilfe benötigen. Zu Weihnachten hat sie den Kindern jeweils sogar ein kleines Päckchen geschenkt. „Für mich ist das alles vollkommen selbstverständlich. Ich empfinde das als meine Bürgerpflicht“, sagt Martina Schilling-Raatz.
Auch die pädagogische Mitarbeiterin Sigrid Grimm unterstützt die Flüchtlingskinder: Sie lernt zwei- bis dreimal in der Woche mit ihnen die deutsche Sprache. „Erst einmal haben wir uns kennengelernt, erzählt, wie wir heißen und wo wir herkommen“, so Sigrid Grimm. „Jetzt übe ich ganz spielerisch mit ihnen. Zudem füllen die Kinder Arbeitsblätter aus, auf denen zum Beispiel Wörter mit Bildern verbunden werden müssen“.
Sigrid Grimm hat beobachtet, dass sich die Schüler sehr schnell eingelebt und Freunde gefunden haben. „Die Kinder diskutieren inzwischen auch miteinander und kommen so zur richtigen Lösung. Außerdem helfen sie sich gegenseitig.“
Und nicht nur das: „Unsere Mutter kann nicht besonders gut Deutsch“, verrät Adere lächelnd. „Aber ich spreche zu Hause oft mit ihr und helfe ihr sogar beim Lernen.“ Auf den Elternabenden ist die Mutter von Adere auch immer dabei und manchmal hilft Adere dann als Übersetzerin.
Wünsche für Zukunft
Suzanna, Adere und Abdulramon möchten alle gerne in Deutschland bleiben. Schon jetzt hat jeder von ihnen einen Berufswunsch: „Ich möchte gerne Dolmetscherin werden“, sagt Suzanna. „Ich kann nämlich mehrere Sprachen sprechen, das passt gut.“ Abdulramon überlegt kurz, dann stellt sich der Achtjährige hin und ruft: „Polizist.“ „Dafür musst du aber noch ganz schön viel lernen“, neckt ihn seine Schwester, die übrigens gerne Friseurin werden möchte.
Schulleiterin Janna Reck freut sich, dass es den Kindern an ihrer Schule gut gefällt. „Das zeigt, dass es durchaus klappt, wie wir es machen“, sagt sie. Und dennoch gelangt auch das Kollegium der Tetta-von-Oldersum-Grundschule inzwischen an seine Grenzen: „Wir brauchen generell eine bessere Lehrerversorgung an Schulen“, betont Janna Reck. Das würde dazu führen, dass alle Aufgaben, die die Schule im pädagogischen Bereich zu erfüllen hat, besser erfüllt werden könnten.
