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Bildung Von Drogen, Knast und Alkohol

Abbehausen - Als Seppel auftaucht, tuscheln und feixen die 15- und 16-Jährigen im Filmraum der Hauptschule Abbehausen. Seppel trifft aber nicht etwa – wie sonst üblich– auf Kasper, sondern auf den Penner Falko.

Die Geschichte, die Falko Kaselowsky in der Hauptschule Abbehausen erzählt hat, war nichts fürs Herz. Sie ist vielmehr brutale Wirklichkeit. Alkohol- und Drogenprävention standen bei dieser Veranstaltung für den 8., 9. und 10. Jahrgang der Hauptschule im Vordergrund.

Mit seinem 25-minütigen Puppenspiel war Falko Kaselowsky in die Hauptschule Abbehausen gekommen und beantwortete anschließend in einer spannenden Gesprächsrunde auch die vielen Fragen der Schüler.

Der ehemalige Drogenabhängige Falko Kaselowsky schilderte eine Wirklichkeit, die keinem der Acht-, Neunt- und Zehntklässler bisher auch nur in Ansätzen bewusst gewesen war. Es ging in seinen Ausführungen um Kleinkriminalität und Knast, Zigaretten, Alkohol, Drogensumpf und Psychiatrie – und um ein (fast) verschenktes Leben.

Kindlich-naiv gestaltet

Der Hintergrund der Puppenbühne war warmherzig und kindlich-naiv gestaltet: Kaminzimmer, Butzenscheiben, ein Wandbild von Oma und Armlehnsessel. Die Puppe Falko ist das zweite Ich des Puppenspielers Falko Kaselowsky. Sie erzählte in dem Stück „Können Spiegeleier vor Drogen schützen?“ in erschreckenden Bildern ihre ganz eigene authentische Lebensgeschichte. Die Puppe erntet dafür Hohn und Spott – von Seppel.

Die Drogenkarriere des Oldenbrokers Falko begann mit 15 Jahren, als er oft und intensiv dem Alkohol zusprach und auch kiffte. Trotzdem bekam er eine Lehrstelle als Buchbinder, war auch gut im Job und verkürzte die Ausbildungszeit.

Falko Kaselowsky machte einen Führerschein – verlor ihn aber schon nach acht Wochen wieder wegen Trunkenheit. Er arbeitete im Schichtdienst bei Volkswagen und begann zu dealen.

Schnell begriff Falko Kaselowsky, dass er mit Dealen an einem Wochenende mehr verdienen konnte als in einem Monat beim Autobauer. Was er nicht begriff, war, dass er nicht Freiheit und Glück, sondern Abhängigkeit und Leid gewählt hatte:

Dealerei, Dieberei, Sucht, Knast, geschlossene Anstalt. Ein Teufelskreis. Er suchte den Ausstieg; lernte eine Frau in Oldenburg kennen und sie bekamen drei Kinder.

Doch die Welt der Drogen holte ihn bald wieder ein und ruinierte seine Gesundheit: Hepatitis, Fettleber, Raucherlunge. Erst mit 38, als er kurz davor stand, seine Kinder nie mehr wiederzusehen, schaffte er, woran viele Drogensüchtige nach einer solchen „Karriere“ gescheitert sind: Er wurde clean.

Heute ist Falko Kaselowsky 51 Jahre alt und präsentiert auf Kinderfesten Kasperle-Theater, Mitmach-Zirkus und Kinderschminken – oder spielt den Clown. Ein tollpatschiger Spaßvogel ist Falko allerdings nur äußerlich. Eigentlich möchte er viel lieber von einem weggeworfenen Leben erzählen, nämlich von seinem.

Mit Erzählungen helfen

Und er hat etwas zu erzählen. Er weiß, dass er mit seiner Geschichte helfen kann, Jugendliche vor dem Griff zur Droge eindringlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu warnen. Spätestens in dem Augenblick, als die Puppe Falko im Filmraum der Hauptschule zugibt, Geschwister zu haben und Seppel nachschiebt „Habe ich mir gedacht. Einer allein kann ja nicht so blöd sein“ ist es mucksmäuschenstill im Raum.

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