Friesoythe - „Kultusministerin Heiligenstadt bekommt den Lehrermangel nicht in den Griff. Vielerorts gibt es große Lücken im Pflichtunterricht, weil die Ministerin in der Vergangenheit zu wenige Lehrkräfte eingestellt hat.“ So heißt es in einer gleichlautenden Pressemitteilung, die CDU-Landtagsabgeordnete in ganz Niedersachsen kürzlich verschickt hatten. Einziger Unterschied. Die Zahlen der Unterrichtsversorgung wurden auf den jeweiligen Wahlkreis runtergebrochen. Und so bemängelte auch Karl-Heinz Bley aus Garrel die mangelnde Unterrichtsversorgung – mit dem Verweis auf den Kreis Cloppenburg.
Zum Beweis legt der CDU-Landtagsabgeordnete eine Statistik des von der SPD geführten Kultusministeriums vor, die jede Schule und die jeweilige Unterrichtsversorgung in Prozent ausweist. Stichtag: 18. August 2016, also zu Beginn des laufenden Schuljahres.
Hop und top
Und in der Tat sind die Zahlen nicht sehr erfreulich. Ein Blick auf die Schulen in der Stadt Friesoythe zeigt, dass zum Zeitpunkt der Erhebung von den insgesamt 15 Schulen (elf Grundschulen, eine Oberschule, eine Realschule, eine Förderschule, ein Gymnasium) nur drei mit einer über 100-prozentigen Unterrichtsversorgung gestartet sind. Spitzenreiter war die Grundschule Hohefeld mit 126,1 Prozent, gefolgt vom Albertus-Magnus-Gymnasium (102,2) und der Grundschule Edewechterdamm (100,8).
Das bedeutet gleichzeitig, dass zwölf Schulen mit einem Lehrermangel ins Schuljahr gingen. Während neun Schulen immerhin noch zwischen 92 und 98 Prozent aufweisen konnten, lag die Unterrichtsversorgung an der Grundschule Neuscharrel bei 89,7 Prozent, an der Grundschule Markhausen bei 85 Prozent und bei der Gerbertschule in Altenoythe bei gerade einmal 78,4 Prozent.
Udo Arends ist Schulleiter des Schlusslichts und gleichzeitig kommissarischer Schulleiter des Spitzenreiters. Er gibt zu, dass es zu Beginn des Schuljahres eine „Saure-Gurken-Zeit“ an der Gerbertschule gegeben habe. „Unterricht musste deswegen aber nicht ausfallen“, sagte Arends im NWZ-Gespräch. Engpässe habe man zum Beispiel schnell mit Kollegen der Grundschule Hohefeld ausgleichen können. Zudem sei bis zum Start des zweiten Halbjahres mehr Personal eingestellt worden. Arends: „Das hat die Situation erheblich verbessert.“
Mangelverwaltung
Eine Nachfrage bei der Elisabethschule Friesoythe ergab ein weniger positives Bild. Die Förderschule startete mit einer Unterrichtsversorgung von 94,9 Prozent. Daran hat sich bis heute nichts geändert, sagt Rektorin Ilona Stiefs. Im Gegenteil: „Es wird sich noch verschlechtern.“ Schließlich gelte es nicht nur, den Unterricht in der Elisabethschule sicherzustellen, sondern im Rahmen der Inklusion auch alle anderen Schulen mit Fachkräften zu versorgen. Derzeit stelle sie 120 Lehrerstunden ab, erforderlich wären 300 Stunden. Stiefs schlägt Alarm: „Die Hütte brennt. Es ist dramatisch.“
Derzeit stehen ihr 65 sonderpädagogische Lehrkräfte und acht pädagogische Mitarbeiter zur Verfügung. Sie bräuchte aber mindestens vier Lehrerstellen und zehn pädagogische Mitarbeiter mehr. „Nur so können wir dem Anspruch gerecht werden“, so die Rektorin.
Ob es im kommenden Schuljahr besser werde, wisse sie jetzt noch nicht, da Personalfragen vom Land immer erst sehr spät entschieden werden würden. Bis dahin gelte, was seit Monaten gelte: „Mangelverwaltung auf hohem Niveau.“
