[VORSPANN] - „Eigenaktiv“ war das Schlüsselwort des Abends: Eigenaktiv sollen Kinder lernen und handeln. Dafür plädierte Dr. Astrid Kaiser in ihrem Vortrag, zu dem das Hermann-Ehlers-Bildungswerk Oldenburg eingeladen hatte. Die Moderation der Veranstaltung im Schiffahrtsmuseum hatte der Landtagsabgeordnete Björn Thümler übernommen.

Die Professorin für Didaktik des Sachunterrichts an der Universität Oldenburg hat sich die Sorge vieler Eltern zur Brust genommen: Wird mein Kind richtig gefördert, um später in der globalen Arbeitswelt bestehen zu können? Nachhilfe und Förderangebote gibt es laut Kaiser viele, die Frage sei nur, ob das auch die richtige Strategie ist.

Fundament für Kaisers Erkenntnisse ist ihre eigene Kinderstudie: Auf der ganzen Welt hat sie untersucht, was Kinder vereint, mit wenig überraschenden Ergebnissen: Unter anderem sei das der Hang, Freundschaften zu schließen, sich zu bewegen und neugierig zu sein.

„In erster Linie sind die Menschen gleich“, lautete ihr ebenso simples wie allgemeines Fazit. Kinder sollten die universellen Charakterzüge ausleben dürfen, schlug Kaiser den Bogen zum eigentlichen Thema des Abends: Lerntheorien. Davon gebe es viele, von Konditionierung bis hin zu Lernen durch Erfolg. Aber: „Die einzige Lerntheorie, die bei allen Menschen funktioniert, ist eigenaktives Lernen“, sagt Kaiser. Fatal sei deshalb das viel praktizierte Trichtermodell, bei dem Kindern das Wissen lediglich eingeflößt werde. Das rühre noch aus dem Mittelalter her, wo vor Erfindung des Buchdrucks oft notgedrungen der Lehrer sprach und die Schüler zuhören mussten.

Für Kaiser gilt: „Lernen über Erfahrung ist das Wichtigste“. Sie sprach sich unter anderem gegen das aus, was sie die „Ex-und-Hop-Strategie“ nannte: Statt eines Arbeitsblattes, das die Funktion eines Objektes erkläre und dann in einer Mappe verschwinde, sei es besser, Kinder eigenständig herausfinden zu lassen, wie die Dinge funktionieren. Ebenso müsse es schrittweise ein greifbares Ziel geben, auf das hingearbeitet werden könne. Und letztendlich müsse die so genannte Schattenschule abgeschafft werden, in der Eltern nachmittags ihren Kindern Wissen eintrichtern.

In der anschließenden Diskussion ging es dann weniger um den Vortrag als um die altbekannten Sorgen und Nöte mit dem Schulsystem: Zu große Klassen, zu wenig Sozialpädagogen.