„IGS die schlechteste Schulform“, Leserbrief von J. Bornefeld, Ð  vom 25. März

Wieder mal Polemik eines Philologen gegen die Integrierte Gesamtschule. Alte Ressentiments werden neu aufgewärmt.

Dabei werden jedes Jahr Hunderte von Eltern mit ihrer Bewerbung um einen IGS-Platz für ihre Kinder in Oldenburg und Wilhelmshaven abgewiesen, weil es nicht genug Schulplätze gibt. Sollte man diesen jungen Eltern so wenig Urteilsvermögen zutrauen, dass sie ihre Kinder unbedingt auf die „schlechteste Schule“ schicken wollen?

Sind es nicht gerade weltoffene, pädagogisch verantwortungsbewusste Leute, die ihren Kindern die Wahl der Schullaufbahn möglichst lange offen lassen wollen durch das längere gemeinsame Lernen an einer IGS? Eltern, denen neben der intellektuellen Schulung die Erziehung zum sozialen Miteinander, zum gegenseitigen Helfen, zu Toleranz und Fairness wichtiger erscheint als fragwürdige, wie auch immer ermittelte Pisapunkte?

2010 ist zum dritten Mal eine IGS als Beste Schule Niedersachsens ausgezeichnet worden (Göttingen). Und dabei geht es nicht nur um Wohlfühlschule bei einer solchen Wahl, es geht auch um vorzeigbare Leistungen. Jede IGS hat ja für die Besserbegabten G-Kurse, die zum Abitur führen.

Für die Spätzünder, und das sind ja nicht immer die Schlechtesten, die bei der Selektion nach dem vierten Schuljahr durchs Sieb fallen, gibt es keine bessere Schule als die IGS.

Außerdem: Die Leistung der IGS bei der Bewältigung der Aufgabe, die für die heutigen Schulen immer mehr an Bedeutung gewinnt, nämlich der Integration von Migrantenkindern, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen und auch mit kleinlichen Kostenaufrechnungen nicht aufzuwiegen.

Franz Koch, Zetel