WANGERLAND - Mit „Denkanstößen“ hofft die Gruppe „Christlich Liberale Bürger“ im Wangerländer Gemeinderat die seit Jahren verschobene Debatte um die Situation der Grundschulen anzufachen. Wie Gruppensprecher Klaus-Peter Koch (CDU) am Dienstag berichtete, hat die Gruppe aus CDU, FDP und dem parteilosen Ralf Kröner eine „scharfe“ Analyse des Ist-Zustands der vorschulischen und schulischen Bildung im Wangerland erhoben.
„Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Der demografische Wandel zwingt uns zum Handeln“, betonte Renate Janßen-Niemann, die die Arbeitsgruppe leitet. Fest steht für die Gruppe, dass alle Kindergarten- und Grundschul-Standorte im Wangerland erhalten bleiben sollen. „Es gilt das Prinzip ,kurze Wege für kurze Beine‘“, so Janßen-Niemann.
In den fünf Wangerländer Kindergärten Hooksiel, Waddewarden, Tettens, Horumersiel und Hohenkirchen gebe es ausreichend freie Plätze für Kinder ab drei Jahren. Auch Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren stehen ausreichend zur Verfügung, so Janßen-Niemann.
Beantragt sei die Einrichtung weiterer Krippenplätze in Hohenkirchen und Tettens. Hooksiel sei mit zwei Krippengruppen gut ausgestattet. Der Kindergarten Tettens, der künftig Ganztagsbetreuung anbietet, stehe gut da.
Saisonangebote
Um den Kindergarten Horumersiel besser auszulasten, regt die Gruppe eine Erweiterung an: „In Horumersiel arbeiten während der Saison viele Mütter aus Wilhelmshaven, Schortens und Jever, für die Kinderbetreuung ein Problem ist“, weiß Reinhard Onnen-Lübben (FDP). Ein Betreuungsangebot für die Kinder dieser Frauen zu schaffen, würde nicht nur die Saisonarbeitskräfte erhalten, sondern auch den Kindergarten-Standort stabilisieren, so die Gruppe.
Denn in Horumersiel nehmen die Kinderzahlen drastisch ab – und das betrifft natürlich auch die Grundschule. „Mittelfristig ist die Schule wohl nicht zu halten“, meint Renate Janßen-Niemann mit Blick auf die Anmeldezahlen.
Die Gruppe schlägt deshalb vor, in Zukunft nur die erste und zweite Klasse in Horumersiel zu lassen, die dritte und vierte Klasse nach Hohenkirchen zu verlegen, gleichzeitig aber Grundschule und Kindergarten noch enger zu verzahnen.
Dadurch würde dann auch die Grundschule Hohenkirchen gestärkt, die ebenfalls mittelfristig nicht mehr über die Einzügigkeit hinausgelangen wird. Nach Ansicht der Gruppe müsste der Schul- und Kindergartenstandort Hohenkirchen insgesamt neu strukturiert werden: Denkbar seien Oberschule, Grundschule unter Kindergarten unter einem Dach. „Beginnen könnte es damit, dass die Grundschule das Nachmittagsangebot der Oberschule mitnutzt und die älteren Kindergartenkinder in die Räume der Grundschule umziehen“, so Renate Janßen-Niemann.
Hooksiel steht gut da
Für Tettens wagt die Gruppe keine Prognose: Wie berichtet, startet die Grundschule nach den Sommerferien mit einem offenen Ganztagsangebot – damit steht sie im Wangerland bisher alleine da. Eine positive Prognose gibt die Gruppe „Christlich Liberale Bürger“ für die Grundschule Hooksiel, die einzige zweizügige Schule im Wangerland: Die Schülerzahlen bleiben bis 2017/18 stabil.
Ihre Ideen wird die Gruppe „Christlich Liberale Bürger“ nun zur weiteren Diskussion in den Schulausschuss geben. „Man muss unangenehme Dinge ansprechen – nur weil man nicht darüber redet, sind die Probleme ja nicht weg“, betonte Klaus-Peter Koch.
