WARDENBURG - Grundschulen, die die Pädagogische Puppenbühne der Polizei (PäPP) buchen möchten, müssen bis zu fünf Jahren Wartezeit in Kauf nehmen – so begehrt ist das Angebot. Die Grundschule Wardenburg hatte da mehr Glück, denn ganz so lang ist der letzte Besuch von Uwe Wispeler, Bianca Stutz und Annelie Büter dann doch noch nicht her. Drei Tage waren die ausgebildeten Polizeipuppenspieler jetzt an der Schule zu Gast.
Während in den ersten und zweiten Klassen „Willi, die Wanderratte“, ein Stück zur Verkehrserziehung gegeben wurde, das zugleich Umweltschutzaspekte thematisiert, stand für die Dritt- und Viertklässler die Gewaltprävention im Mittelpunkt. „Gewalt ist keine Lösung“ heißt das Puppentheaterstück, das Wispeler und Stutz in den höheren Klassenstufen zeigten.
„Wir spielen alle Gewaltarten an, außer sexuellem Missbrauch und Drogendelikten“, erklärt Bianca Stutz. Diese Themenkomplexe würden Grundschüler noch überfordern – was aber nicht bedeute, dass sie im Umfeld der Kinder nicht vorkämen. „In Einzelgesprächen vertrauen uns Kinder mitunter Dinge an, die zur Folge haben, dass wir strafverfolgend tätig werden müssen“, berichtet die Beamtin aus ihrer alltäglichen Praxis. Eine steigende Tendenz sei vor allem bei häuslicher Gewalt zu beobachten.
Weniger Berührungsängste
„Eine unserer Aufgaben ist es, Berührungsängste mit der Polizei abzubauen“, so Stutz weiter. Eine wichtige Botschaft der Puppenspieler sei deshalb: „Das Wort ,Petzen gibt es für uns nicht – nur Zivilcourage.“ Und zu eben dieser rufen die Beamten die Grundschüler in der Nachbereitung ihres Stücks auf.
„Wer hat ein Handy?“, wollte Polizist Uwe Wispeler am Mittwoch von der Klasse 3c wissen. Mehrere Arme gingen in die Höhe. „Wenn ihr die 110 gewählt habt, müsst ihr immer beschreiben, wo ihr gerade seid“, so Wispeler. „Wenn ihr es selbst nicht genau wisst, sprecht jemanden an, der es wissen könnte.“
Und noch zahlreiche weitere Fragen galt es zu beantworten. „Wer hat ein eigenes Messer zum Basteln oder Schnitzen?“, „Wer hat Action- oder Ballerspiele auf dem Computer?“ oder „An welchen Orten in der Gemeinde habt ihr Angst?“, fragten die Beamten ab. Der Hintergrund: Die Antworten der Kinder gaben Aufschluss über jene Problempunkte, die am Nachmittag mit den Eltern und örtlichen Polizeikollegen besprochen werden sollten.
Für Schulleiterin Anke Fricke stellt das Programm der Puppenbühne eine mehr als sinnvolle Ergänzung zum Unterricht dar: „Ich beobachte eine große Nachhaltigkeit bei den Schülern.“
Zweite Puppenbühne
Fünf Jahre auf die Puppenspieler warten muss die Grundschule Wardenburg übrigens auch künftig nicht. Wie die Beamten berichten, werden sie voraussichtlich noch in diesem Jahr Unterstützung von einer zweiten Polizei-Puppenbühne erhalten, die in Delmenhorst stationiert sein wird.
