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Natur Oft unscheinbar am Wegesrand

Wardenburg - Erstaunt blickt Apotheken-Fachkraft Manuela Kieler auf dem Parkplatz am Tillyhügel in die Runde: „So viele waren noch nie da.“ Seit 20 Jahren bietet die Lethe- Apotheke in Wardenburg in Kooperation mit der Volkshochschule Kräuterspaziergänge an, und dieses Mal hatten 40 Personen ihre Teilnahme zugesagt. „Das zeigt, dass sowas wohl gebraucht wird“, sagt Manuela Kieler und freut sich über das große Interesse.

Gang durch Hallwiesen

Im Laufe der Jahre hat sich die Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) zu einer wahren Kräuterexpertin fortentwickelt. „Schon in der Ausbildung haben wir viel über Kräuter erfahren“, erzählt Kieler. Schließlich enthalten viele Medikamente pflanzliche Wirkstoffe oder sind ihnen chemisch nachempfunden.

An diesem Nachmittag führt Manuela Kieler die interessierte Gruppe durch die Hallwiesen an der Hunte. Schon auf dem Weg dahin hält sie immer wieder an, weil sie am Rand Pflanzen entdeckt, denen der normale Spaziergänger keinerlei Bedeutung zumessen und die er eher in die Kategorie „Unkraut“ einsortieren würde.

Und je weiter die Gruppe in die Wiesenlandschaft eintaucht, desto mehr wird deutlich, welche Schätze praktisch vor der Haustür wachsen.

Da sprießt zum Beispiel das schmalblättrige Weidenröschen mit seiner anti-entzündlichen Wirkung und gut geeignet gegen Prostata-Erkrankungen. Nicht zu verwechseln mit dem kleinblütigen Weidenröschen, das aber ähnliche Heilkraft besitzt.

Auch die unscheinbare Brennnessel, eher verhasst aufgrund ihrer Borstenhaare, die bei Berührung unangenehmes Hautbrennen verursachen, tut dagegen viel Gutes für die Natur und einen gesunden Speiseplan. „Brennnessel ist Nahrung für Schmetterlinge“, informiert Manuela Kieler. „Und ist im Frühjahr lecker im Salat oder in Polenta“, ergänzt Viola Möller, Inhaberin der Lethe-Apotheke, die den Kräuterspaziergang mit begleitet.

Aber nicht nur am Boden entdecken die pharmazeutisch versierten Frauen wertvolle Gewächse. An einer Eiche weiß Viola Möller zu berichten: „Pulverisierte Eichenrinde ist gut für die Haut; da kann man auch drin baden.“ Den Kornelkirschen, die an einem Baum rot leuchten, sagt man nach, dass sie entzündungshemmend wirken und bei Durchfall gute Dienste leisten.

Doch nicht alles, was schön aussieht und bunt leuchtet, hat eine heilende Wirkung oder ist zum Verzehr geeignet. Hat beispielsweise der Ackerschachtelhalm (auch Zinnkraut genannt) eine harntreibende Wirkung und stimuliert das Immunsystem, so warnen die Kräuterexpertinnen dagegen vor dem Sumpfschachtelhalm, zumal er dem seines ungiftigen Verwandten sehr ähnlich sieht.

Während die Kräuterspaziergänger vorsichtig durch die Streuobstwiesen nahe der Tillytränke stapfen, entdeckt Manuela Kieler noch eine Pflanze, vor der sie und Viola Möller eindringlich warnen: das Jakobs-Greiskraut. „Das ist sehr giftig für Tiere und Menschen, denn es schädigt die Leber.“ Und das Gift könne sogar über die Bienen in den Honig gelangen.

„Ich finde es spannend, die eigene Natur vor der Haustür näher kennen zu lernen“, sagt Beate Volz aus Achternmeer, die mit ihrem Mann Stefan am Kräuterspaziergang teilnimmt. Sie selber nutze Kräuter zum Kochen und für Tees.

Kräuterfachfrauen

Als ideale Ergänzung zu ihrer Ausbildung zur „Kräuterfachfrau“ sehen Andrea Feige (Großenkneten) und Michaela Duwe (Oldenburg) das Angebot der Lethe-Apotheke. „Wir haben diesen VHS-Kursus in Wiefelstede gerade erst abgeschlossen und deshalb hat uns dieser Spaziergang besonders interessiert.“

Wer selbst in der freien Natur Kräuter finden und verarbeiten will, sollte – ähnlich wie beim Pilze sammeln – schon ein fundiertes Wissen haben, gibt Manuela Kieler zu bedenken. „Mit unserem Kräuterspaziergang wollen wir nur aufklären und nicht auffordern, selbst zu sammeln zu gehen.“

Übrigens, wer sich mit Kräutern nur vage auskennt und sie dennoch für die Hausapotheke nutzen will, kann sich in jeder Apotheke beraten lassen, wie Kräuter wirken und in welcher Form man sie kaufen kann.

Marén Bettmann
Marén Bettmann Redaktion Wardenburg
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