Jever - Sie finden die Deutschen freundlich und nett, aber die Finnen seien deutlich entspannter und nicht so akkurat: Tiia Susanna Särkkä (21) und Heta Wilhelmina Vikholm (20) aus Jyvaskyla in Finnland haben nun sechs Wochen lang das Leben und vor allem das Berufsleben in der Region kennen gelernt.
Die beiden angehenden Friseurinnen haben im Rahmen des Erasmus-Programms der Europäischen Union einen Austausch mit den Berufsbildenden Schulen Jever absolviert. „Eine tolle Erfahrung“, finden beide. An diesem Freitag geht es für sie wieder nach Hause – sie nehmen einiges mit. Zum Beispiel den Geschmack von Currywurst: Das gibt’s in Finnland nicht.
Verschiedene Arten des Haarefärbens und Föhnens haben sie in den vergangenen sechs Wochen in den BBS und ihren Ausbildungsbetrieben Hollywood Hair, Haarstudio Willms und Hair Design in Wiesmoor und Strackholt gelernt, außerdem Dauer- und Wasserwellen legen. „In Finnland wird offenbar mehr geglättet“, meint Claudia Eschen, Fachpraxislehrerin und Betreuerin der beiden. Noch ein Unterschied: Die Deutschen gehen alle paar Wochen zum Friseur – und dann sollte es fix gehen. Die Finnen gehen zweimal im Jahr – und dann bringen sie viel Zeit mit.
Natürlich war die Verständigung eine Herausforderung: Auf Englisch und mit Vokabellisten von Fachwörtern für Friseure hat das aber ebenfalls geklappt. Um als Friseurin in Deutschland zu arbeiten, reicht das aber nicht. „Dann müsste ich richtig Deutsch lernen“, ist Heta bewusst.
Der Spracherwerb steht nicht unbedingt an erster Stelle beim Austauschprogramm, an dem die BBS Jever im Verbund mit den Berufsschulen Varel, Wittmund und Wilhelmshaven als „Internationale Berufsbildung Jade“ teilnimmt. Neben Finnland gibt es Kontakt zu Berufsschulen im Baltikum, in den Niederlanden, Schweiz und demnächst Spanien. „Die internationale Zusammenarbeit bringt den jungen Leuten unheimlich viel“, betont Schulleiter Jan Zimmermann: „Es geht uns auch darum, den Zusammenhalt in der Europäischen Union zu fördern.“
Die Berufsbildenden Schulen Jever wünschen sich, dass viel mehr Betriebe die Möglichkeit nutzen, ihre Auszubildenden ins Ausland zu schicken. „Das ist keineswegs Urlaub: Die jungen Leute lernen eine Menge dazu“, betont Projektleiter Detlef Reuter.
So hatten auch die beiden Finninnen Arbeitsaufträge, die sie in ihren Ausbildungsbetrieben und an den BBS zu erfüllen hatten. Am Donnerstag zauberten sie ihren Modellen und Mitschülerinnen Chantalle Graalmann und Janina Kummer Abendfrisuren.
