Garrel - Seit elf Monaten ist Jino Hamaraschid aus dem Irak in Deutschland. Die zweifache Mutter steht im Johannes-Haus in Garrel vor einer großen Gruppe. Die Kurdin hat eine kleine Rede geschrieben und trägt sie auf deutsch vor. Hamaraschid ist eine von insgesamt 38 Flüchtlingen aus Syrien, Irak und Afghanistan, die den Kursus „Ankommen in Beschäftigung“ erfolgreich absolviert haben. Inzwischen kann sie fast fehlerfrei deutsch sprechen. Das sei eine erstaunliche Leistung, so Kursleiter Helmut Biemer, da teilweise Analphabeten unter den Teilnehmern waren.

Bei einer kleinen Feierstunde wurden den Teilnehmern nun kürzlich die entsprechenden Zertifikate überreicht. Die Qualifizierungen, die am 5. September starteten, wurden von der Vita-Akademie in Garrel durchgeführt und von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter finanziert.

Seit einem Jahr werden verschiedene Kurse angeboten, vom Alphabetisierungslehrgang bis hin zu dem am Freitag zu Ende gegangenen Kursus „Ankommen in Beschäftigung“. In letzterem wurden auch politische Themen wie die Silvester-Übergriffe in Köln oder der Anschlag in Berlin aufgearbeitet. Auch die Flüchtlinge in Garrel möchten den Opfern ihre Solidarität erklären. „Ich möchte mein Beileid mitteilen“, sagt Hamaraschid in ihrer Rede. „Ich wünsche mir, dass diese Tat die letzte in Deutschland ist.“ Sie selbst sei vor Terror und Krieg geflüchtet und wünsche sich, in Frieden zu leben.

„Die Integration wird erreicht durch Sprache und Einsicht in Betriebe“, erklärt Biemer. Einige Flüchtlinge möchten nach dem Praktikum zudem in eine Ausbildung starten. „Ich bin stolz auf euch“, lobte auch Kursleiterin Jana Reinke die Motivation der Flüchtlinge. In Garrel könne man zudem jedem Flüchtling vor Ort ein Angebot machen – sei es in Form von Sprach- oder Integrationskursen, sagt Franz-Josef Kettmann von der Vita-Akademie-Geschäftsleitung.

Kursleiterin Angela Ingenito-Lange blickte dann in die 60er Jahre zurück. Damals kamen ihre Eltern als Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland. Sprachkurse und das Café International gab es in Garrel damals nicht. Die Menschen waren alleine in einem fremden Land, eine derartige Unterstützung wie heute gab es nicht, sagte Ingenito-Lange. Deshalb seien die Angebote für Flüchtlinge so wichtig.