Bockhorn - In der Gemeinde Bockhorn nehmen die Diskussionen um die Auswirkungen jüngster Schulpolitik kein Ende. Die SPD-Kreistagsabgeordneten aus Bockhorn, Rainer Brunken und Diedrich Loers, die für die Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Zetel gestimmt hatten, wiesen Kritik an dieser Entscheidung von Thorsten Krettek (CDU) und Ewald Spiekermann (UWG) in der NWZ zurück: „Das haben wir mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Insbesondere, weil Spiekermann in Kreisfachausschüssen auch für Zetel gestimmt hat.“
Es geht um die Zukunft der Oberschule Bockhorn. Brunken und Loers empfahlen der Gegenseite, die Pressemitteilung des Landkreises zu lesen: „Danach ist der Standort Bockhorn bis 2022/23 gesichert, auch unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung in Friesland.“ Brunken sieht sogar mehr Chancen für Bockhorn, weil Zeteler Schüler, die nicht zur IGS wollen, nach Bockhorn kommen könnten: „Früher gab es hier eine Volksschule und in Zetel eine Mittelschule. Da zogen Bockhorner Schüler nach Zetel. Erstmals könnten wir erleben, dass es umgekehrt verläuft.“
Brunken und Loers berichteten, dass der Landkreis im kommenden Jahr wieder massiv in die Oberschule Bockhorn investieren wolle. Die Mensa soll ausgebaut werden, so dass auch Kinder aus dem künftigen Ganztagsbereich der benachbarten Grundschule hier mittags essen könnten: „Unser Bemühen geht dahin, die Schulleitung in Bockhorn zu stärken. Keiner muss befürchten, dass die Oberschule geschlossen wird.“
Bockhorn habe in der Zukunft nur als Zuzugsgemeinde eine Chance, und dazu gehöre ein angemessenes Schulangebot. Wichtig sei allerdings auch, so Brunken und Loers, dass nicht nur altengerechte Wohnungen gebaut, sondern auch verstärkt günstiger Wohnraum für Familien mit Kindern geschaffen werde.
Für den SPD-Ortsverein Bockhorn bezeichnete dessen zweiter Vorsitzender Christian Bergfeld die Kritik an der IGS-Entscheidung für abwegig: „Sie zeugt von wenig Weitblick und muss als politische Polemik bezeichnet werden.“ Letztlich würden Überschriften zum „Aus der Oberschule Bockhorn“ der Gemeinde einen Bärendienst erweisen: „So werden Familien verunsichert, die hierher ziehen wollen und sich jetzt vielleicht gegen unsere Gemeinde entscheiden könnten.“ Bergfeld: „Alle politischen Kräfte sollten gemeinsam daran arbeiten, die Schullandschaft in Bockhorn attraktiv zu gestalten.“
Rolf Scherer, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Rat Bockhorn: „Ich kann Ewald Spiekermann nur Recht geben und ihm für den Einsatz im Kreis für Bockhorn danken.“ Er kritisierte, dass der Elternwillen von jeder Seite nach Gutdünken interpretiert oder in Bezug auf eine IGS in Varel gar nicht erst abgefragt werde. Scherer: „Gemeinden und Städte stehen im Konkurrenzkampf um Einwohner. Junge Menschen mit Kindern sind gern gesehen, ihre Wahl des Wohnortes wird mit dem Schulangebot eng verknüpft. Damit sollte jedem klar sein, dass Bockhorn noch weiter an den sozialen Rand des Kreises gedrückt wird. Alle Bemühungen der Bockhorner Kommunalpolitiker, ihre Gemeinde nach vorn zu bringen, werden auch mit den Stimmen der SPD-Kreistagsabgeordneten ad absurdum geführt.“
