Bösel - Tief enttäuscht zeigten sich die Verantwortlichen des Weltladens in Bösel über die Verfehlungen des aus Cloppenburg stammenden pädophilen Priesters, der in Honduras zwei Jungen sexuell missbraucht haben soll. Wie die NWZ  berichtet hatte, hatte die Kirche ihn vier Jahre nach dem Prozess jetzt seiner Pflichten enthoben. Sie hätten aus der Zeitung davon erfahren, sagten Agnes Wessels und Ursula Schmolke in einem Gespräch. „Wir sind aus allen Wolken gefallen.“

Der Priester hatte in Honduras vor vielen Jahren ein Hilfsprojekt für Straßenkinder initiiert. Jahr für Jahr waren auch Spenden aus den zahlreichen Aktionen des Weltladens nach Honduras gegangen – zuletzt im Januar 2013 rund 2500 Euro, der Erlös aus fünf Jahren Arbeit. Seit Beginn des Weltladens wird für „Hogar San Rafael“ gespendet. Produkte wie Kaffee, Tee, Honig, Schokolade oder Korbwaren – alles aus fairem Handel – werden etwa auf Elternsprechtagen, im Kindergarten, beim Erntedankbüfett, auf dem Bauern- oder dem Weihnachtsmarkt angeboten.

„Wir sind nach wie vor von dem Projekt überzeugt“, machten aber Agnes Wessels und Ursula Schmolke deutlich. Umso mehr, seit im vergangenen Jahr zwei Schülerinnen und eine Lehrerin aus der Cloppenburger Liebfrauenschule, die selbst vor Ort gewesen waren, von der Arbeit in Honduras berichtet hatten. Auch die Liebfrauenschüler hatten sich entschieden, weiter für das Honduras-Projekt zu sammeln. Die Macher des Weltladens rufen deshalb die Böseler dazu auf, weiter den Weltladen, der zudem in der Bücherei seine Produkte anbietet, zu unterstützen.

Auf Initiative des ehemaligen Priesters war 1997 ein Grundstück in der Nähe der Stadt San Pedro in Honduras gekauft und kurze Zeit später ein Heim für verlassene und elternlose Straßenkinder errichtet worden. Das Kinderheim mit Namen „Hogar San Rafael“ nimmt Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahre auf, in Ausnahmen bis 15 Jahre, die über Kinder- und Jugendeinrichtungen in San Pedro Sula vermittelt werden. Offiziell ist es ein deutsch-italienisches Projekt der Diözese San Pedro Sula. Die Kinder erhalten Essen, Unterkunft, Kleidung, medizinische Versorgung und die Möglichkeit, Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schulen zu besuchen.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)