Barßel - Lesen beflügelt die Fantasie, lässt Wörter lebendig werden und entführt in fremde Welten. Lesen fördert das Gefühl für Sprache und die Fähigkeit, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Genau dort möchte die Marienschule Barßel ansetzen. Vor gut drei Jahren ergänzte sie ihr pädagogisches Konzept und startete ein ehrgeiziges Projekt. Ehrenamtliche Lesepatinnen betreuen dabei Mädchen und Jungen des ersten und zweiten Schuljahres.

„Wir wollen den Kindern die Basis legen“, beschreibt Lehrerin Anja Bahr-Dorsch die Leseförderung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Maike Böttcher initiierte sie das Projekt und koordiniert es seitdem. Die Lesepatinnen seien fester Bestandteil des Schullebens und hätten sich zu einem „Selbstläufer“ entwickelt, freut sich Anja Bahr-Dorsch. Die Leseförderung wäre im Rahmen des regulären Unterrichts in dieser Form nicht zu leisten, ergänzt Schulleiterin Barbara Moormann.

In Kooperation mit Regina Bunger vom Caritas-Verband, Pfarrer Ludger Becker und Schulleiterin Barbara Moormann konnte die Schule seinerzeit Lesepaten gewinnen „Sie waren eine wichtige Stütze“, sagt Anja Bahr-Dorsch. Das Projekt wurde auch mit dem Caritas-Sozialpreis im Oldenburger Land ausgezeichnet.

Insgesamt elf Lesepatinnen lesen während der Hausaufgabenbetreuung mit den Kindern. Pro Tag seien jeweils zwei bis drei Lesepatinnen im Einsatz, die in Einzelbetreuung mit den Schülern das Lesen üben. Eine von ihnen kümmere sich speziell um fortgeschrittene Leser.

Adele Werner ist seit Beginn an dabei. „In zehn Minuten können die Kinder ganz schön was weglesen“, erzählt sie. Es sei schön mitzuerleben, wie sich die Kinder im Laufe der Zeit entwickeln. Für sie sei es ein „toller Ausgleich“ zu ihrer Arbeit, beschreibt Heike Jahnke ihre Motivation. Als ihre eigenen Kinder auszogen, habe sie eine neue Aufgabe gesucht. Für Heike Jahnke stand fest: Sie wollte mit Kindern arbeiten. „Wichtig ist, die Kinder auch beim Lesen zu loben“, sagt die Lesepatin. Das motiviere die Mädchen und Jungen.

Jeder Schüler könne das Angebot wahrnehmen, so Koordinatorin Anja Bahr-Dorsch. Zugleich unterstütze es diejenigen, die noch etwas mehr Hilfe beim Lesen brauchen. Regelmäßigkeit und eine feste Bezugsperson seien für die Kinder wichtig, sagt die Lehrerin. Daher hätten die Kinder feste Lesepatinnen, die mit ihnen die Lesehausaufgaben bewältigen. Die Schüler hätten sehr schnell Vertrauen zu ihr aufgebaut, erinnert sich Lesepatin Annegret Göken. Sie hat schon viele Kinder an der Marienschule fürs Lesen begeistert.

Kinder, die zu Anfang manchmal gar nicht lesen wollen, bekämen durch die Leseförderung Spaß am Lesen, freut sich Elisabeth Wolken. Wenn die Kinder ein Wort nicht verstehen, erkläre sie es ihnen, erzählt Annelies Sobing. Sie unterstützt seit 2013 das Team. Wichtig sei, die Kinder zu motivieren, meint Lesepatin Ingeborg Ackermann: „Ich lese eine Reihe, und dann lesen sie eine Reihe.“ Auch Schüler mit Migrationshintergrund, die nur geringe Deutschkenntnisse haben, lernten Schritt für Schritt zu lesen, sagt sie.

Wer sich ehrenamtlich als Lesepate engagieren möchte, sei willkommen, sagt Schulleiterin Barbara Moormann.