Westerstede - Die Schullandschaft in Westerstede könnte kaum unterschiedlicher sein. Da ist einerseits die kleine Dorfschule Gießelhorst mit gerade mal 54 Kindern in vier Klassen. Den Gegenpol bildet das Gymnasium mit 1191 Schülern. Was alle Schulen aber eint, ist die Tatsache, dass es immer weniger Kinder gibt. Gleichzeitig aber ist der Bedarf an Räumlichkeiten gestiegen. Schulamtsleiterin Karen Pottek führte den neu zusammengesetzten Ausschuss durch die Schulen.

Gymnasium

Seit 1911 gibt es das Gymnasium. Seitdem wurde immer wieder an- und umgebaut. Architekturstudenten könnten dort auch einen Rundgang durch die Baugeschichte machen. Seit 2013 wurden rund 1,2 Millionen Euro investiert. In diesem Jahr sind weitere 300 000 Euro geplant. Fußböden und Decken sollen mittelfristig für noch einmal 400 000 Euro gemacht werden. Doch auch wenn sich die Schülerzahlen seit 2010 (1375 Kinder) auf 1191 in diesem Schuljahr reduziert haben, gibt es akuten Platzbedarf.

Das Provisorium mit sieben Containerklassen ist zur Dauereinrichtung geworden. Und die Rückkehr zu G9 (das Abi wird erst wieder in Klasse 13 und nicht in der 12. gemacht) wird das Gymnasium vor große Herausforderungen stellen, betont Schulleiter Norbert Brumloop. Denn: ab 2021 bekommt die Schule einen Jahrgang mehr. Platz für eine Erweiterung ist nur dort vorhanden, wo die Container stehen. Ein Neubau müsste auch dort stattfinden. Was das kostet? Offizielle Kalkulationen gibt es noch nicht. Aber siebenstellig könnte es werden.

Doch in der Schule denkt man nicht nur ans Geldausgeben. Mit einer pfiffigen Idee hat man mit vorhandenen Beamern Multivisions-Monitore geschaffen. Lehrer können Grafiken oder Folien vom Handy oder iPad auf die Wände projizieren. Kostenpunkt: 59 Euro. Digitale Tafeln kosten hingegen Tausende.

R.-Dannemann-Schule

Auch Westerstedes zweitgrößte Schule ist in den vergangenen Jahren geschrumpft – von 1272 auf 852 Kinder. Die große Mehrheit von ihnen besucht die Oberschule. Seit 2013 wurde auch hier viel Geld in Sanierungsmaßnahmen gesteckt – fast 650 000 Euro. Weitere 450 000 Euro für die Betonsanierung sind eingeplant. Doch damit dürfte es nicht getan sein. Die Schulleitung fordert Ersatz für die marode Ausstattung in vielen Technikräumen. Und dann ist da noch die Inklusion. Sie stellt nicht nur die Lehrer vor neue Aufgaben, sondern bedeutet auch, dass ein Fahrstuhl und zusätzliche Räume benötigt werden. Was das kostet und wie ein Raumkonzept aussehen könnte, dazu gibt es aber keine konkreten Zahlen.

Die Grundschulen

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Schulanfänger um ein Drittel gesunken – von 300 auf nur noch 197 Schüler – Flüchtlingskinder eingerechnet. Die weitere Prognose geht von einem Pendeln um die 200-Kinder-Marke aus. Erst 2022 wird es mit 184 Kindern wieder einen deutlichen Rückgang geben. Das bedeutet auch: Will man nach der Schließung der Hössenschule keine weitere Grundschule dicht machen, könnte es zu Änderungen der Schulbezirke kommen.

Die kleinste Schule ist die Grundschule Gießelhorst. Sie hat nur vier Klassen und ist das, was man im positiven Sinn eine Dorfschule nennt. Familiär, begleitet von einem hohen Engagement der Lehrer, Eltern und der Dorfgemeinschaft. Dennoch: Die Platzverhältnisse in dem Schulhaus von 1909 sind beengt. Weshalb sich nicht nur Schulleiterin Hannelore Jackson einen Anbau nach hinten wünscht.

Dreimal mehr Schüler gibt es in der Grundschule Halsbek. Dort hat man nicht nur eine riesige Turnhalle, sondern auch ausreichend Klassenzimmer. Schulleiter Jörn König sieht lediglich Bedarf für einen Werkraum – und weitere Lehrerparkplätze fordert das Kollegium.

In der Grundschule Ocholt steht derzeit die Sprachintegration im besonderen Blickfeld. Die meisten jüngeren Flüchtlingskinder aus Westerstede lernen dort Deutsch – mit gutem Erfolg. Man hat bereits etliche Kinder in Regelklassen versetzen können. Was den baulichen Bereich angeht, ist man in Ocholt zufrieden und wohl auch bescheiden.

Die Brakenhoffschule ist mit 323 Kindern die größte Grundschule in Westerstede. Etwa neun Prozent der Kinder sind Flüchtlinge – der höchste Anteil in der Stadt. Einschließlich der geplanten Sanierung des Hallendaches summiert sich das Investitionsvolumen auf 800 000 Euro seit 2013. Für die Schule wird auch wichtig, was an der benachbarten Förderschule passiert. Sie wird aufgelöst. Denkbar ist dort aber ein regionales Inklusionszentrum (die NWZ  wird demnächst ausführlich berichten).

Seit Jahren relativ konstante Zahlen gibt es an der Grundschule Westerloy mit derzeit 156 Kindern in acht Klassen. Der bauliche Zustand ist vorbildlich, einen Investitionsstau gibt es nicht. Integration ist auch hier ein ganz großes Thema – das gilt für Schulkinder mit Behinderung wie für Flüchtlingskinder.

Die Förderschulen

Die Eibenhorstschule in Torsholt hat ihren Schwerpunkt auf der Betreuung von Kindern mit emotionalen und sozialen Problemfeldern. Ziel ist dort vor allem, die Rückführung dieser Kinder in die klassischen Regelschule. Im Gegensatz zu den meisten anderen Förderschulen in Niedersachsen ist sie wegen der Inklusion nicht von einer Schließung bedroht.

Anders sieht die Situation an der Schule Goethestraße aus. Dort sind noch 84 Kinder. Es werden aber keinen neuen aufgenommen, die Schule läuft aus. Ziel der Inklusion ist, künftig Schüler mit Behinderungen an Regelschulen zu unterrichten. Was mit dem Gebäude perspektivisch passiert, ist noch offen.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland