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Grundschule Kreyenbrück Wenn selbst „Lubo“ nicht helfen kann

Oldenburg - „Lubo“ ist klein, grün und nicht von dieser Welt. Der plüschige Außerirdische mit den bunt abstehenden Haaren ist gerade im Raum der Klasse 1b in der Grundschule Kreyenbrück gelandet. Schulsozialarbeiterin Jessica Granz hat das Stoffwesen mitgebracht. Wenn sie morgens um 8 Uhr die Handpuppe im Sozialtraining aus dem Koffer holt, sind die Kinder hellwach. „Mit Lubo lernen wir, wie man freundlich miteinander umgeht und erkennt, wenn jemand traurig ist“, sagt Melina. Und Yehowahye ergänzt: „Wenn wir gut mitmachen, bringt uns Lubo Sternenstaub mit.“

Innere Ampel

„Lubo“ ist der Türöffner, wenn die Jungen und Mädchen über ihre eigenen Gefühle nachdenken sollen, zum Beispiel Ärger und Wut. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, das eigene Verhalten zu steuern. Am „Weltraumrechner“ erstellt Jessica Granz zusammen mit Klassenlehrerin Tina Serve eine Problemlöseformel: Los geht’s mit einer inneren Ampel, die auf Rot schaltet: „Stopp, ich habe ein Problem“, heißt das. Am Beispiel des weinenden Justin, der beim Fußballspielen mitmachen möchte, entdecken die Erstklässler im Rollenspiel, wie sie und andere sich fühlen und was sie tun können, damit es allen gut geht.

Jessica Granz ist seit dem Beginn des aktuellen Schuljahres mit zwölf Wochenstunden über den Verein für Kinder, der den Ganztagsbetrieb organisiert, an der Grundschule am Breewaterweg beschäftigt. „Ihre Arbeit ist sehr wichtig“, betont Schulleiterin Susanne Wendt. 220 Kinder besuchen die Schule, der Anteil der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund beträgt in den Klassen bis zu 85 Prozent. 16 Kinder werden in der Sprachlernklasse unterrichtet. Dazu kommen noch 23 Flüchtlingskinder, die in die anderen Klassen integriert wurden. Auch bei den Eltern genießt die Sozialarbeiterin hohe Wertschätzung: „Die Kinder sind von ihr begeistert, sie freuen sich aufs Sozialtraining und haben Vertrauen gefasst“, lobt Claudia Kirchner, Elternvertreterin der 1. Klasse.

Erste Erfolge seien bereits deutlich sichtbar. Die Schulsozialarbeit wirke sich positiv auf den Unterricht aus. Schulleiterin Wendt listet die verbesserte Konfliktfähigkeit und die stärkere Akzeptanz von Anders-Sein auf. Auch die positive Entwicklung im Umgang mit Frustration und das neu erworbene Verständnis von Empathie hebt sie hervor.

Fortschritte gefährdet

Und doch sehen Eltern und Lehrkräfte die erzielten Fortschritte als gefährdet an – kurioserweise dadurch, dass das niedersächsische Kultusministerium eine halbe Sozialarbeiterstelle mit 20 Wochenstunden für die Grundschule Kreyenbrück bewilligt hat, die zum 1. August besetzt werden soll. Granz’ Vertrag läuft hingegen am Ende dieses Schuljahres aus – und auf die neue Stelle kann sie sich nicht bewerben. Der Grund ist eine Formalie: Die 43-Jährige hat einen Uni-Abschluss als Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin, gefordert laut Stellenausschreibung sind ein Fachhochschulabschluss mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik und ein Anerkennungsjahr. „Dass diese Unterscheidung dazu führt, dass Frau Granz ihre Arbeit nicht fortsetzen kann, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar“, schüttelt Jörn Klappenbach, Elternvertreter der 3. Klasse, den Kopf.

Bedarf nicht gedeckt

Die Eltern haben Sorge, dass durch einen personellen Wechsel gewonnenes Vertrauen zerstört wird. „Einige Kinder werden zumachen“, befürchtet Heike Stenzel, eine Mutter aus der 2. Klasse. Eltern, Schule und Verein für Kinder machen sich in einem Appell an Land und Stadt dafür stark, dass Jessica Granz bleiben kann und ihr Vertrag verlängert wird. Das seit November vorigen Jahres vorliegende städtische Konzept zur Schulsozialarbeit sieht sogar 1,3 Stellen für die Grundschule Kreyenbrück vor. Auch mit einer halben Stelle wäre der Bedarf nicht zu decken, betont Lehrerin Tina Serve.

Sie hofft, dass Jessica Granz und „Lubo aus dem All“ auch im nächsten Schuljahr „Sternenstaubkörner“ an besonders motivierte Grundschüler verteilen werden.

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