Oldenburg - Ein Leben ohne Handy? „Geht nicht“, würden die meisten Jugendlichen heute sagen. Telefonieren, simsen, surfen, fotografieren, Musik hören: alles in einem, alles perfekt. Nur nicht in der Schule. Da prallen die Interessen aufeinander. Denn der Unterricht geht vor, die direkte Unterhaltung und die Bewegung auch, und problematischen Fotos und Filmen soll vorgebeugt werden.

Für Franz Held, Leiter der Cäcilienschule, ist es ein Spagat „zwischen Pragmatismus und idealer Pädagogik“. Held hat Verständnis für die Interessen der Schüler. Man müsse verstehen, „dass Handys für Schüler mehr bedeuteten als für Erwachsene“. Für viele sei es inzwischen auch die einzige Uhr. Mit Schülervertretung und Eltern habe die Schulleitung aber „die Mitte gefunden“, sagt Held. „Wir erlauben es in den großen Pausen in der Schule und auf dem Gelände.“ Problematisch sei die Handhabung ohnehin nur in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 – also eine Frage des Alters. Pro Woche werden an der Cäci etwa fünf bis sechs Handy eingesammelt, schätzt Held. Die Schüler können sie nach allgemeinem Unterrichtsschluss wieder abholen.

Ähnlich läuft es am Alten Gymnasium. Zwar würden viele Kollegen den Handygebrauch „gerne total unterbinden“, sagt Schulleiter Frank Marschhausen. „Das ist aber rechtlich nicht zulässig.“ Am AGO dürfen die Schüler von Klasse 5 bis 9 ihr Handy „nicht benutzen, außer im Notfall“. Dafür ist eine Handyzone vor der Mensa eingerichtet. „Die Jüngeren sollen die Pausen nutzen und spielen“, sagt Marschhausen. Vor allem in der langen Mittagspause vor dem Nachmittagsunterricht sei aber „Augenmaß nötig“, mithin eine gewisse Großzügigkeit. Oft reiche auch schon eine Ermahnung. Eingezogene Handys landen im Sekretariat und können da am selben Tag noch abgeholt werden, was der Rechtslage entspricht. Für die Klassen 10 bis 12 gelten am AGO „keine örtlichen Beschränkungen des Gebrauchs“ – bis auf den Unterricht, es sei denn, die Lehrkraft stimmt zu, weil es gerade sinnvoll ist.

Neu ist an der IGS Helene-Lange-Schule, dass die Schüler ab Klasse 11 ihr Handy im Oberstufenraum benutzen dürfen. Ansonsten sind sie in der Schule und auf dem Schulhof tabu. Einkassierte Telefone werden am Ende des Unterrichts im Sekretariat abgeholt, im Wiederholungsfall von den Eltern.

Zwei Handyzonen für dringende Telefonate und SMS hat das Schulzentrum Alexanderstraße auf dem Schulhof für die 1600 Schüler des NGO und der Oberschule im Einvernehmen mit allen Beteiligten eingerichtet. Bis dahin durften die Handys außer im Unterricht überall benutzt werden. „Das wurde aber einfach zuviel. Bis auf die Handyzonen gilt hier jetzt ein Handyverbot“, sagt Christian Osterndorf, der stellv. Leiter der Oberschule. „Das Handy darf nicht sichtbar sein und auch keine Geräusche machen.“

In den Zonen selbst wird großzügig verfahren. „Das kommt da auch nicht auf den Meter an, da mache ich mich doch nicht lächerlich“, sagt Osterndorf. Wer woanders erwischt wird, muss sein Handy auch hier am Ende des Tages im Sekretariat abholen. „Drei bis fünf Schüler erwischt es pro Tag, eine Wiederholungs-Statistik führen wir aber nicht. Das klappt auch so ganz gut“, sagt Osterndorf.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg