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Vortrag Wer ist schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs?

Jever - Dicht an dicht drängten sich die Zuhörer: Das Vortragsthema lautete „Wer trägt welche Kriegsschuld?“ – und stieß auf großes Interesse, wie auch die Fragerunde zeigte.

„Es ist etwas sehr besonderes, wenn ein ehemaliger Professor als Kollege sehr engagiert ist und vor Ort einen Vortrag hält“, lobte Bibliotheksleiterin Dr. Anja Belemann-Smit die Arbeit von Dr. Georg Wagner-Kyora. Der ging in seinem einstündigen Vortrag intensiv auf die Beantwortung der Frage nach der Schuld am Ersten Weltkrieg anhand Veröffentlichungen verschiedener Historiker ein.

Im Fokus stand dabei Rechtswissenschaftler Hermann Kantorowicz (1877 bis 1940), dessen „Gutachten zur Kriegsschuldfrage“ von 1923 in der Wissenschaft lange Zeit kaum Beachtung fand. Im Gegensatz zu den Historikern Fritz Fischer (1908 bis 1999) und Christopher Clark (geb. 1960), die sich auf Deutschland als alleinigen Kriegsschuldigen festlegten oder sich nur mit den Gründen für den Kriegsausbruch, nicht aber mit der Schuldfrage auseinander setzten, blickte Kantorowicz auf alle beteiligten Länder.

Moralische Bewertung

Kantorowicz kommt in seinem „Gutachten“ zu dem Schluss, dass es zwar mildernde Umstände für den Kriegseintritt bei allen beteiligten Nationen gibt, diese könnten jedoch keineswegs das jeweilige politische Handeln rechtfertigen. Ursache des Kriegs, der letztlich vom Deutschen Reich begonnen wurde, sei das elitäre Handeln der einzelnen Regierungen. So hielt es auch Clark in seinem Buch „Schlafwandler – wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ fest: Er bezeichnet den Kriegsausbruch als Verkettung verschiedener Geschehnisse, bewertet diese aber nicht.

Dort aber setze Kantorowicz an, der den Kriegsbeginn als ein „Hineinstolpern“ bezeichnet, erklärte Wagner-Kyora: Unterscheiden müsse man demnach die präventive Tat, die Verzweiflungshandlung und die machtpolitische Entscheidung.

Aus Geschichte lernen

Während Deutschland eher präventiv gehandelt habe, habe Österreich-Ungarn verzweifelt auf den Doppelmord am Kaiserpaar in Sarajevo reagiert und Serbien bedroht. Deshalb hält Kantorowicz Österreich auch für den größten Schuldigen am Kriegsausbruch, während Russland und England eher machtpolitisch agierten.

Dass die Frage der Kriegsschuld nur mangelhaft aufgearbeitet sei, liegt Wagner-Kyora zufolge vor allem daran, dass diese Frage in der Weimarer Republik in den Hintergrund geriet und die Verantwortung den alten Eliten zugeschrieben wurde. „Wer nicht aus der Geschichte lernt, wiederholt sie“, sagte Wagner-Kyora mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg, den zweifelsohne Deutschland ausgelöst hat.

Zum Abschluss seines Vortrages beantwortete der Lehrer Fragen, die sich nicht um die Kriegsschuld drehten, sondern eher um Kriegsziele und die Beteiligung verschiedener Akteure. Für Aussagen wie „Moltke wollte unbedingt einen Krieg, hat ihn aber nicht bekommen – und dann hat er geheult“ auf die Frage nach der Schuld des deutschen Militärs erhielt er nicht nur viel Applaus, sondern auch einige Lacher.

Eine Ausstellung in der Bibliothek „Das Mariengymnasium und die Weltkriege“ von Hartmut Peters zeigt Feldpostbriefe und Fotos von Schülern und Lehrern im Krieg.

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