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Bildung Warum es 2020 keine Abiturienten gibt

Westerstede - Im Jahr 2020 wird es am Gymnasium in Westerstede keinen Abiturjahrgang geben – wie an den meisten anderen Gymnasien und Gesamtschulen in Niedersachsen auch. Grund ist die Umstellung vom Abitur nach acht Jahren (G8) auf das Abitur nach neun Jahren (G9). Die NWZ hat mit dem Direktor des Westersteder Gymnasiums, Norbert Brumloop, und Schülern aus den Jahrgängen 10 und 12 gesprochen, was diese Umstellung für sie bedeutet.

Wiederholer haben Diese Optionen:

Das Abitur im Jahr 2021 nach dem Wiederholen der 12. und der Abiturprüfung nach der 13. Klasse.

In Ausnahmefällen können die Schulen individuelle Lösungen für ein Abitur nach dem erneuten Ablegen der 12. Klasse anbieten.

„Sonderzug“ heißen Klassen, die an ausgewählten Schulen im Jahr 2020 das Abitur nach der 12. Klasse ablegen. Die nächsten Schulen mit Sonderzug sind in Esens, Oldenburg und Wiesmoor.

„Für uns als Schule ist der Schritt zurück zu G9 organisatorische gesehen kein Problem“, ist sich Brumloop sicher. „Wir haben das Abitur nach neun Jahren schließlich lange Zeit angeboten und wissen, was zu tun ist.“

Es gibt Schwierigkeiten

Praktisch gesehen würde die Umstellung aber schon die ein oder andere Schwierigkeit mit sich bringen. „Nehmen wir mal an, dass ein Schüler aus dem letzten G8-Durchgang sein Abitur nicht besteht, dann muss er die 12 Klasse wiederholen“, erklärt der Direktor.

Die 12 Klasse, in die der Schüler dann komme, sei aber keine Abschlussklasse wie im Schuljahr zuvor. „Der Jahrgang macht ja erst nach 13 Jahren Abitur, der Schüler muss zwei Jahre warten, bis er sein Abitur ablegen kann.

Daraus ergebe sich auch der Umstand, dass es im Jahr 2020 keinen regulären Abiturjahrgang in Westerstede geben werde, so Brumloop. „Als wir damals von G9 auf G8 gewechselt haben, gab es ja irgendwann auch zwei Abiturjahrgänge in einem nur Schuljahr.

Weniger lange in der Schule

Für die Schüler ändere sich vor allem die Zeit, die sie jeden Tag in der Schule verbringen müssen etwas. „Die Stundenpläne haben im G9 deutlich weniger Stunden“, sagt Brumloop. Das zusätzliche Jahr gebe den Schülern auch mehr Zeit zu reifen und fachliche Inhalte noch tiefer zu behandeln.

Bei den Schülern jedenfalls kommt die Umstellung gut an. „Ich bin froh, dass wir wieder im G9-Abi sind“, sagt Sarah aus der Klasse 10E. „Wir hatten bis zur 8. Klasse Nachmittagsunterricht, der dann weggefallen ist, als klar war, dass wir ein Jahr mehr haben.“

Unterricht ist entspannter

Auch Alexander sieht das so: „Der Unterricht läuft jetzt deutlich entspannter. Außerdem haben wir mehr Zeit für die Inhalte“, freut sich der 16-Jährige.

Hanno aus der 12. Klasse wird in diesem Jahr seine Abiturprüfungen machen. Er kann sich nicht vorstellen, noch ein Jahr an der Schule zu bleiben. „Es ist hart, so viel um die Ohren zu haben. Wir müssen an vier Tagen in der Woche bis zur achten Stunde in der Schule sein, danach Hausaufgaben machen und auch noch lernen. Ich hätte mir auch gewünscht, von Anfang an weniger Stunden zu haben und dafür ein Jahr länger in der Schule zu bleiben – jetzt ist es aber anders und das passt auch“, berichtet der 17-Jährige.

Mehr Zeit wäre schön gewesen

Angelina hätte sich auch von Anfang an mehr Zeit für sich gewünscht. „Es ist sehr stressig, Freizeit und Schule bei unserem Stundenplan zu koordinieren“, sagt sie. Wie Hanno wolle die 18-Jährige jetzt aber ebenfalls schnell fertig werden und ihr Abitur noch in diesem Jahr ablegen. „Wir sind ja auf G8 eingestellt, jetzt können wir das auch durchziehen“, sagt sie.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg
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