WESTERSTEDE - WESTERSTEDE - Eine bedrückende Atmosphäre kam bei der Podiumsdiskussion am Montagabend im Westersteder Kreishaus auf. Thema war der Amoklauf eines Schülers vor drei Jahren am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt.

Polizeidirektor Detlev Schum war der Einladung des Bundestagsabgeordneten Thomas Kossendey (CDU) und des Kreispräventionsrats Ammerland gefolgt, um seine Eindrücke von dem Einsatz, den er persönlich miterlebt hatte, zu schildern. Weitere Teilnehmer waren der Sozialdezernent des Landkreises Ammerland, Ingo Rabe, Diplom-Psychologe Thomas Entringer von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Westerstede sowie Bernd Bruch, der sich als Lehrer an den Berufsbildenden Schulen (Rostrup) in der Schulsozialarbeit engagiert.

Wie konnte es zu diesem Massaker kommen, und wie können wir verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht? Das waren die Fragen, die sich wie ein roter Faden durch die Redebeiträge zogen. „So etwas Ähnliches kann immer wieder passieren, auch in Westerstede“, betonte Schum. Er schilderte den Täter als einen sehr einsamen Jungen, der immer wieder hatte Kränkungen einstecken müssen, sich schließlich in eine virtuelle Computerwelt zurückzog und seinen Rachefeldzug lange im Voraus geplant hatte.

„Wir müssen eine Kultur des Hinschauens entwickeln“, forderte Kossendey. Dafür zu sorgen, dass junge Menschen nicht vereinsamen, sie nicht überfordert werden und Erfolgserlebnisse haben, sei ebenfalls wichtig, ergänzte Rabe. „Wir dürfen jedoch nicht überall potentielle Amokläufer sehen“, warnte Entringer vor einer Überbewertung. Ein solcher Täter habe eine spezielle psychische Struktur. Während die Umwelt ihn als Versager sehe, empfinde er sich selbst als Held.

Auf Prävention setzt die BBS in Rostrup mit vielfältigen Maßnahmen, wie Bruch verdeutlichte. „An einer Schule muss ein Klima des Vertrauens herrschen.“ Kompetente und sensible Lehrkräfte sollten Ansprechpartner der Schüler sein und auch problematischen Schülern eine Orientierung bieten. „Wir können aber nicht alle Probleme lösen“, sagte er und verwies auf ein Beratungsnetzwerk, das weiterführende Hilfe ermögliche.