WESTERSTEDE - Auf Reisen ist man schnell bereit, in die Geschichte alter Gemäuer einzutauchen – in der Heimat nimmt man kulturelle Schätze oft kaum zur Kenntnis. Damit wollten sich Schüler der 13. Klasse des Gymnasiums Westerstede nicht abfinden. „Heritage Interpretation“ bedeutet zu deutsch „Erbe interpretieren“. In dem gleichnamigen Seminarfachkurs haben die Schüler Projekte für regionale Kulturgüter entwickelt. Die Ergebnisse präsentierten sie jetzt Bürgermeister Klaus Groß, Schulleiter Norbert Brumloop und weiteren Vertretern der Gemeinde und Besitzern der untersuchten Gebäude in der Hoffnung, finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Kerstin Dieken hat ein Konzept für die Stadtbücherei entwickelt, mit dem die Geschichte des Gebäudes Besuchern auf kompakte Art näher gebracht werden soll: „Dem Medium bin ich treu geblieben und möchte in einem ,Holzbuch‘ wichtige Daten, Fakten und Bilder des Gebäudes ausstellen“, sagte sie.

Viele Menschen wüssten nicht, dass das Haus an der Poststraße 1915 für eine jüdische Familie erbaut wurde, die zur Nazizeit auswanderte. Nach dem Krieg war es Sitz der britischen Militärregierung und wurde später als Altenheim genutzt.

Lehrer Thomas Norrenbrock verfolgte mit seiner Idee für das Seminar ein aus den USA stammendes Konzept, das auch in Großbritannien bereits weit verbreitet ist. „Nachdem die Schüler ihre Facharbeiten geschrieben hatten, war der Kurs in Schottland. Dort wird Geschichte auf Erlebnispfaden auf lebendige Art und Weise vermittelt“, sagte Norrenbrock. Die Schüler sollten in der Umgebung bedeutende Stätten finden, für die sie Gleichaltrige interessieren wollten.

„Vieles wird als selbstverständlich angenommen. Leute in unserem Alter kommen erstmal nicht darauf, sich mit dem Hollweger Moor zu befassen. Vieles könnte man einfach anschaulicher gestalten“, so Marie-Louise Merz.

In ihrem Projekt, das sie gemeinsam mit Hannah Kotzias vorstellte, dreht sich alles um den Stadtpark Thalenweide. „Wir wollen das Gesamtkunstwerk in den Vordergrund rücken. Die Statue, das Mahnmal oder der Springbrunnen – über all diese Sehenswürdigkeiten kann man vieles erfahren“, so die Schülerin. Sei es das Hollweger Moor , das Schloss Gödens, der Mansinger Burgplatz oder der Klosterhof Jührden, überall sollen Schautafeln die Natur und das kulturelle Erbe dem Besucher nahe bringen. „Wir wollen einen Tag der Burg einrichten und mit Kindern auf Schatzsuche gehen. Auch der Internetauftritt soll erweitert werden“, sagt Martin Krisch vom Projekt Mansinger Burgplatz.

Die Zuhörer zeigten sich beeindruckt von den Arbeiten der Schüler, die sich anderthalb bis zwei Jahre lang mit der Thematik befasst hatten und mit vielen Details aufwarten konnten. „Wir konnten wichtige Kontakte knüpfen. Die Besitzer vom Klosterhof waren da und würden die Ideen gerne umsetzen“, sagt Schülerin Jantje Peters.