WESTERSTEDE - WESTERSTEDE - Am Ende siegt zwar die Moral, aber unter Androhung von Gewalt. Eine Weinflasche hat Vitja (Christoph Neumann: sensibler Alko-Popper im schwarzen Ledermantel) am Bühnenrand zerschlagen. Den messerscharfen Flaschenhals richtet er bedrohlich gegen seinen Schulkollegen Volodja (Nico Linn: selbstherrlicher Anstifter des Bösen). Da liegen eine versuchte Vergewaltigung, Erpressung und Vandalismus bereits hinter den vier Schülern, „weil das Böse ein Vergnügen ist“.
Ihr Opfer ist die Mathelehrerin (Bettina Galinowski: mädchenhafte Idealistin mit Moralvorstellungen). Von ihr will das skrupellose Quartett einen Schlüssel vom Tresor erpressen, in dem vergeigte Matheklausuren vom Vormittag lagern. „Wir brauchen alle eine Eins“, fleht Pascha (Eike Behrens: leicht beeinflussbarer Gentleman im braunen Anzug). Dafür ist er bereit, seine Freundin Ljalja (Talke Heidkroß: dynamisch mit Glitzergürtel und roten Fingernägeln) der Gewalt preiszugeben.
Ljudmila Rasumowskaja hat mit „Liebe Jelena Sergejewna“ ein Drama geschrieben, das nach Erscheinen 1980 in der Sowjetunion viele Jahre nicht aufgeführt werden durfte. An Brisanz hat das Stück – leider – nichts verloren. Zu vorstellbar ist jene aus dem Ruder laufende Situation, die sich in der Wohnung der Lehrerin abspielt. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass die vier überzeugenden Schauspieler der 10. bis 12. Klasse ja echte Schüler sind und Bettina Galinowski (31) eine echte Lehrerin, wenn auch nicht für Mathe, so doch aber für Deutsch und Biologie. Körperlich sind ihr alle vier überlegen. Ihre einzige Chance liegt darin, jedem einzelnen ins Gewissen zu reden, zu appellieren, zu moralisieren, was manchmal hilflos wirkt, am Ende aber fruchtet.
Eine „kleine Produktion“ nennt Spielleiter Clemens Höxter die Aufführung der Theater-AG, die seit 1990 besteht. Zehn bis 15 Schüler aus den Klassen neun bis 13 zählen zum Team. Die Bühne steht nicht in der Aula („mit 400 Sitzplätzen zu viele“), sondern im intimeren Klassenzimmer. Etwas leisten müssen an diesem Premierenabend aber nur fünf, während 50 Zuschauer einen kurzweiligen Psychokrimi erleben. Für die drei weiteren Aufführungen gibt es noch Karten – auch, „damit die Verführung des Wohlstandes die Seelen nicht kaputt macht“.
Weitere Termine sind heute sowie Mittwoch und Donnerstag, 15. und 16. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr in der Europaschule Gymnasium Westerstede (Gartenstraße). Karten: 04488/ 84550.
