Oldenburg - Wenn die Besucher aus der Januarkälte in das Jugendprojektehaus „Weiße Rose 1“ gingen, wurden sie von einem Banner und einem historischen Videoausschnitt von Anne Frank im Eingangsbereich der Ausstellung empfangen. So war es leicht, sich in die NS-Zeit hineinzuversetzen. Nachdem jeder seinen Schal und seine Mütze abgelegt hatte, sammelten sich alle Gäste in einer Gruppe zusammen. Die zuständigen IGS-Flötenteich-Schüler, die durch die Ausstellung begleiten sollten, stellten sich zunächst vor. Die Besuchergruppe wurde dann geteilt – in kleineren Einheiten konnte die Sammlung entspannter erlebt werden.

Die Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ wurde unter dem Konzept „Jugendliche begleiten Jugendliche“ in Oldenburg angeboten. Dabei wurden Schulklassen und erwachsene Besucher von IGS-Schülern aus den Klassen 9 bis 11 begleitet. Die Jugendlichen nahmen vorher an einem zweitägigen Seminar teil, in dem sie zu „Peer-Guides“ ausgebildet wurden. Von Mitte Januar bis Anfang Februar begleiteten die Schüler die Gäste durch die Ausstellung. Bis zu zwei „Peer-Guides“ haben sich pro Gruppe zusammengetan. Jede Begleitung verlief individuell, weil die Schüler den Ablauf mit den erlernten Methoden selbst gestalten konnten.

Das Projekt erfreute sich großer Beliebtheit: „Das Konzept ‚Jugendliche begleiten Jugendliche‘ hat uns sehr gut gefallen, da man sich mit Gleichaltrigen auf einer Ebene unterhalten konnte. Die gesamte Atmosphäre war angenehm und nicht so angespannt, wie es sonst in Museen oft der Fall ist“, meinen Olli (16) und Christoph (16) aus der 10. Klasse der IGS.

Dem Zehntklässler Thorn (15) gefielen besonders die interaktiven Teile der Ausstellung, da man dadurch ins Gespräch kam und sich die Situationen der Juden besser vorstellen konnte. Darüber hinaus empfand er es als abwechslungsreich. „Die Begleiter haben durch ihren elaborierten Sprachgebrauch das Thema schmackhaft gemacht – wie eine Tasse Kaffee am Morgen“, sagt Keanu aus 11. Klasse.

Doch die Schüler haben auch Verbesserungsvorschläge: Laut der Neuntklässlerin Franziska (15) bestand ein kleiner Wermutstropfen darin, dass nur 90 Minuten für die Begleitungen vorgesehen waren. Einige Themen konnten deshalb nur angeschnitten werden. Obwohl die „Peer-Guides“ keine Experten in dem Gebiet waren, konnte die Geschichte dennoch erfolgreich mit den Besuchern erarbeitet werden.

Durch dieses Projekt sind die Seminarteilnehmer ausgebildete „Peer-Guides“. Dank des Anne-Frank-Zentrums in Berlin haben sie die Möglichkeit, im Mai für eine Woche in die Hauptstadt zu fahren, um sich dort zu Anne-Frank-Botschaftern ausbilden zu lassen.