WIEFELSTEDE - Er will gerade bei Eltern keine Panik verbreiten: Das Internet habe nur eben auch dunkle Seiten, sagt Markus Gerstmann. Der Bremer Medienpädagoge, der am Donnerstag erst vor Schülern der 7. und 8. Klassen der Haupt- und Realschule Wiefelstede und abends zu den Eltern zum Thema „Jugendliche und Medien“ in der neuen Mensa sprach, weiß genau, dass viele Eltern „keinen blassen Schimmer“ haben, womit sich die Jugendlichen im Internet so alles beschäftigen. Sagt er es ihnen, dann reagieren die Erwachsenen „schon sehr erschrocken“, wie Gerstmann einräumt.
Der Bedienstete des Landes Bremen, der solche Vorträge mit dem Ziel hält, Jugendliche und ihre Eltern für die Gefahren auch des Internets zu sensibilisieren, verteufelt das Internet nicht, zeigt aber auch im Negativen seine Möglichkeiten auf. Internetforen wie „Studienvz“ oder „Schülervz“ etwa hätten mittlerweile so viele persönliche Daten erfasst wie die Stasi das nicht hätte schaffen können, sagt der 44-Jährige. Der Clou dabei: Die Jugendliche geben diese Daten freiwillig und selbstständig ins Internet – „und das Internet vergisst nicht“, wie Gerstmann warnt. „Studienvz“ gibt es seit etwa einem Jahr und ist bei Jugendlichen der Renner, weiß der Bremer. Dort bilden sich Interessengruppen und man muss, um hinein zu gelangen, „eingeladen“ werden. Ähnlich wie bei „Studienvz“ – beide haben den selben Anbieter – werden auch Netzwerke geknüpft. Eine gute Sache, wie Gerstmann einräumt. Allerdings: Wenn – wie in Wiefelstede vorgekommen – Gruppen entstehen, die einzelne Schüler gezielt mobben
(Gruppenname: „Schüler hassen ....“), dann werde es schon problematischer, sagt der Medienpädagoge. Zweimal sei so etwas an der Haupt- und Realschule schon passiert, weiß auch Schulleiter Hans-Joachim Wülfrath. Die Folge: Die Schüler, die in „Schülervz“ nicht anonym auftreten, wurden aufgefordert, sich im Internet dafür zu entschuldigen, nachdem sich die „Opfer“ an die Schule gewandt hatten.
Gerstmann sagt es deutlich: Vieles, mit dem sich die Jugendlichen mit den Mitteln der neuen Medien beschäftigten, sei im Prinzip nichts anderes als das, was ihre Eltern in ihrer Jugend getan hätten – nur eben mit anderen Mitteln. „Wir sind früher in die Rolle des Winnetou geschlüpft und durch den Wald geschlichen, heute schlüpfen die Jugendlichen in Fantasierollen, in dem sie bei ,World of Warcraft‘ mitspielen“. Der Zugang zu problematischen Inhalten aber seit heute durch das Internet deutlich leichter – weltweit, betont der Bremer. Pornografie, Magersucht-Foren, Selbstmord-Foren, Fotos und Filme mit realen gewalttätigen Inhalten – alles sei frei und relativ leicht verfügbar. Und so rät Gerstmann den Eltern, die Jugendlichen ins Internet zu begleiten, den Dialog zu suchen. Wenn die Eltern ihre Kinder nicht erzögen, täte es eben das Internet, bringt es der 44-Jährige auf den Punkt. Eltern und Jugendliche, die sich über diese Themen informieren wollen, können im Internet nachsehen
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