WIEFELSTEDE/METJENDORF - „Nach unten gibt es keine festgeschriebene Grenze“, sagt Jörg Pieper von der Gemeindeverwaltung in Wiefelstede. Er meint damit, dass zwar für die Hauptschule Klassengrößen zwar nach oben (maximal 26 Schüler), nicht aber nach unten festgelegt sind. Die Frage, ob sich das ändern muss, drängt sich auf, denn an der Haupt- und Realschule Wiefelstede werden am Donnerstag, 21. August, um 8.10 Uhr in der Mensa für das neue Schuljahr lediglich neun neue Hauptschüler begrüßt werden. „Das ist bisher absoluter Tiefstand“, sagt Jörg Pieper.
Ein Unterschied gegenüber dem Vorjahr ist das kaum, denn da waren lediglich 12 neue Hauptschüler registriert. 2006 hatte die Hauptschule zumindest noch zwei neue Klassen. Immer mehr Eltern sehen offenbar in der Hauptschule keine Zukunftsperspektiven für ihre Kinder mehr.
Von diesem Problem ist nicht nur Wiefelstede betroffen. Allerdings leidet die Haupt- und Realschule – mittlerweile Ganztagsschule und erst vor kurzem um eine brandneue Mensa erweitert – nach Meinung auch von Bürgermeister Helmut Völkers zudem unter der Tatsache, dass nach Klasse vier die Schüler zu weiterführenden Schulen außerhalb der Gemeinde gehen – denn bekanntlich existiert kein gymnasiales Angebot in Wiefelstede. Auch im neuen Schuljahr verlassen so 55 Prozent aller Grundschüler im Gemeindegebiet die Gemeinde, um weiterführende Schulen zu besuchen: 49,6 Prozent aller Wiefelsteder Grundschüler wechseln dabei zu Gymnasien, in Metjendorf sind es 46 Prozent. Ein Großteil der Schüler wechselt dabei zur KGS in Rastede.
Völkers sieht angesichts dieser Zahlen seine mehrfach geäußerten Befürchtungen bestätigt, die Haupt- und Realschule könnte regelrecht ausbluten – eine Situation, die für ihn angesichts eines klaren Zukunftstrends zu mehr Wettbewerb der Schulen eben nicht „zukunftsfähig“ ist. Das Fehlen eines Schulangebots inklusive Sekundarbereich I – von Wiefelstede seit langem gefordert – sieht der Bürgermeister klar auch als Standortnachteil für die Gemeinde, zumal auch unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung nach seinen Angaben eine eigene KGS sechszügig geführt werden könnte.
Während aber an der KGS in Rastede neue Klassenräume in Containern eingerichtet werden (wir berichteten), stehen in der Haupt- und Realschule Wiefelstede Klassenräume leer. Und während 94 neue Realschüler in drei Klassen zusammengefasst werden müssen (für eine weitere fehlen sechs Schüler), bleiben viele Schüler aus der Gemeinde Wiefelstede, die an der KGS in Rastede zunächst aufs Gymnasium gehen und dann in den Realschulbereich zurückkehren, auch dafür in Rastede. „Das“, so Völkers, „können und wollen wir nicht mittragen“.
Da die KGS Rastede Völkers zufolge schon jetzt in einigen Jahrgängen elfzügig geführt wird, kann Wiefelstede gemäß Rechtslage nicht Außenstelle der KGS werden. Für Völkers kann daher die Forderung nur lauten: „Einrichtung einer KGS Wiefelstede – wobei wir mit der KGS Rastede kooperieren wollen.“
Am 4. September will er bei einem Treffen des Städte- und Gemeindebundes mit Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann die Situation Wiefelstedes erläutern. Hoffnung setzt er auf eine neue Tonart in der Diskussion um die Schulreform. Habe es anfangs geheißen, Kooperative Gesamtschulen sollen nur zugelassen werden, wenn örtlich das dreigliedrige Schulsystem dadurch nicht gefährdet werde, so heiße es jetzt, dass das dreigliedrige Schulsystem „in zumutbarer Entfernung“ vorhanden sein müsse, sagte Völkers. Nach der bisherigen Aussage im Schulentwicklungsplan des Landkreises Ammerland würde für den Bürgermeister das dreigliedrige Schulsystem in der Gemeinde Bad Zwischenahn in zumutbarer Entfernung liegen.
