Wiefelstede - „Das Schwierigste ist, das Wachs in die Holzform zu gießen“, sagt Louisa (11). Sie und Merle, Benita und Neele sind Schülerinnen der 6d an der Oberschule Wiefelstede und gerade dabei, eine Wachstafel fertigzustellen – so, wie sie bei Schülern und auch Geschäftsleuten im alten Rom benutzt wurde. Darauf sollen sie später auch mit römischen Zahlen Rechenaufgaben lösen: 83 Sechstklässler der Klassen 6 a bis d machen an diesem Donnerstagvormittag in der zweiten bis sechsten Stunde mit beim Projekttag „Römer“.

„Die Schüler befassen sich bereits seit Schuljahresbeginn im Fach Geschichte mit dem Römischen Reich“, berichtet Lehrerin Elke Rosenbohm. An diesem Tag ist dabei praktische Arbeit angesagt. „Heute gibt es für alles Hilfsmittel und Geräte und vieles wird einfach fertig gekauft. Wir wollen zeigen, dass das nicht immer selbstverständlich war“, macht die Lehrerin deutlich, warum die Schüler ihre Wachstafeln oder auch kleine Mosaike selbst herstellen sollen. „Dann wird auch deutlich, dass das früher eine echte Leistung war“, sagt die Fachbereichsleiterin GSW (Geschichte-soziale Weltkunde).

Louisa und ihre Mitstreiterinnen kleben zunächst Leisten auf eine kleine Holzplatte, um ein Gefäß fürs flüssige Wachs zu haben. Dieses gießen sie dann in die Form und lassen es hart werden – fertig ist die Wachstafel. Mit Schmirgelpapier haben sie einen Holzstift angespitzt und können nun auf der Tafel schreiben. „Anspitzer gab es damals ja nicht“, sagt Elke Rosenbohm. Die Lehrerin gibt anschließend Rechenaufgaben aus, die mit Hilfe von römischen Zahlen auf der Tafel gerechnet werden sollen. Wer sich verschreibt, nimmt das ebenfalls flachgeschmirgelte Ende seines Holzstifts und glättet das Wachs in der kleinen Tafel neu.

Andere Schüler stellen derweil kleine Mosaike her. „Die zierten im alten Rom auch Hauswände und Fußböden“, weiß Manon Isberner, Klassenlehrerin der 6b. Die Schüler müssen zunächst ein Muster entwerfen, bevor sie kleine farbige Steine auf ein Holzplättchen kleben. Dann wird noch verfugt. Reihum stellen die Schüler jeweils beides her an diesem Tag – Wachstafeln und Mosaike. Beides dürfen sie später auch mit nach Hause nehmen.

Was hat Louisa denn am meisten fasziniert am alten Rom? „Die Sage von der Gründung Roms“, sagt die Elfjährige und erzählt von Romulus und Remus, zwei Brüdern, die der Sage nach als Gründer Roms gelten. „Das war 753 vor Christus“, weiß auch Benita und liefert sogleich eine Eselsbrücke nach, um sich das leichter merken zu können: „Sieben, fünf, drei – Rom schlüpft aus dem Ei.“