WIEFELSTEDE - Der Gesetzesentwurf des Landes Niedersachsen liegt bereits vor – die Inklusion wird kommen. Ab 2013 soll jeder Schüler an jeder Schule unterrichtet werden können. Hintergrund sei das Streben nach Chancengleichheit, erklärte Regierungsschuldirektor Manfred Janßen, der in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses zu Gast war und über Inklusion informierte.
Grob zusammengefasst bedeute Inklusion, dass jeder Schüler ein Recht hat, an einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet zu werden. Für jeden Schüler mit Beeinträchtigung zahlt das Land dann wohldosierte Förderschullehrer-Stunden. Dass die räumlichen Gegebenheiten vorhanden sind, also die Schulen behindertengerecht ausgestattet sind, dafür müssen die Schulträger selbst aufkommen.
„Ab dem 1. August 2013 wird es mit Beginn des Schuljahres 2013/2014 keine Einschulung mehr an Förderschulen geben“, fasste Regierungsschuldirektor Janßen zusammen.
Bernhard Schrape, Leiter der Förderschule Rastede, sagte dazu: „Inklusion ist eine Vision, die lohnenswert ist. Aber ich mache mir natürlich auch gewisse Sorgen.“ Das Bildungssystem sei sehr leistungsorientiert und von Selektion geprägt. Dieses System jetzt mit dem der Inklusion zu vermengen, stelle eine große Herausforderung dar, so Schrape. Er sorge sich außerdem darum, dass die im Gesetzesentwurf eingeplanten Förderschullehrer-Stunden nicht ausreichend seien könnten. „Ich weiß nicht, ob wir das schaffen, alle Kinder in den weiterführenden Schulen gut voranzubringen“, fasste Schrape zusammen.
Um die Ausstattung der Schulen sorgte sich indes Gerold de Boer (Die Grünen). „Die Landesschulbehörde sollte sich dafür einsetzen, dass die einzelnen Schulen 2013 nicht im Regen stehen gelassen werden“, sagte de Boer. „Man kann von der Gemeinde nicht verlangen, dass sie das alles selbst stemmt.“
Er könne nur darauf verweisen, was der Gesetzgeber vorgesehen hätte, entgegnete Regierungsschuldirektor Manfred Janssen.
Im Verlauf der Sitzung wurde deutlich, dass die fachkundigen Ausschussmitglieder im Allgemeinen einen immer größer werdenden Förderbedarf bei Kindern feststellen und sie Zweifel daran haben, dass Lehrer ohne sonderpädagogische Ausbildung dieser Aufgabe im vollem Umfang gerecht werden können – zumal sich die Lehrer im Unterricht gleichzeitig mit leistungsstarken Schülern und Schülerinnen und Kindern mit (Lern-)Behinderungen beschäftigen werden.
