WILDESHAUSEN - Seit diesem Jahr können Lehrer ihre Arbeitszimmer nicht mehr steuerlich absetzen. Das sorgt für Verbitterung.

von karsten bandlow

WILDESHAUSEN - „Jetzt reicht’s!“ – Die Lehrer sind wütend. Sie wollen die zahlreichen Streichungen und Kürzungen durch den Gesetzgeber nicht länger hinnehmen. Besonders die seit diesem Jahr nicht mehr mögliche steuerliche Absetzung eines Arbeitszimmers hat sie endgültig auf die Palme gebracht. Aus Protest richteten 15 Pädagoginnen und Pädagogen gestern Nachmittag auf dem Wildeshauser Marktplatz ihr Arbeitszimmer im Freien ein.

Die Demonstration war eine Aktion des Kreisverbandes der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), doch die Teilnehmer versicherten: „Nicht nur die organisierten Kollegen sind sauer, auch alle anderen haben die Nase voll“, sagt Ingeborg Lipinski von der Letheschule in Wardenburg. Die Lehrkräfte wollen nicht länger dazu herhalten, Haushaltslöcher zu stopfen, wie sie sagen. Wenn sie nicht einmal mehr den schon vor Jahren gestutzten Minimalbetrag für das Arbeitszimmer bei der Steuer absetzen könnten, dann sei das nicht nur eine weitere Kürzung ihrer Einkommen, sondern auch eine Missachtung ihrer Arbeit, die sie am Schreibtisch zu Hause erledigen. „Erledigen müssen“, wie Johann Strudthoff vom Gymnasium Wildeshausen betont, weil in den Schulen dazu gar nicht die Möglichkeit gegeben sei.

Ihren Protest und ihre Forderungen hatten die GEW-Lehrer aus dem ganzen Landkreis auch auf Handzetteln formuliert. Die waren bei regnerischem Wetter auf dem Marktplatz allerdings kaum unter die Leute zu bringen. Nur einige wenige Passanten interessierten sich für das symbolische Arbeitszimmer. Strudthoff und seine Mitstreiter sind sich dennoch sicher, dass in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die GEW erwägt Verfassungsklage und sieht sich durch ein Gutachten bestärkt.