WILDESHAUSEN - „Tequila“ rufen die Mexikaner statt „Cheese“ oder „Spaghetti“, wenn der Fotograf auf den Auslöser drückt. Doch ansonsten bemühen sich die kleinen Sombrero-Träger, viel Deutsch zu sprechen. Deshalb kommen sie schließlich hierher. Seit Anfang Juli sind 32 Kinder der Deutschen Alexander-von-Humboldt-Schulen in Mexiko-Stadt, Puebla und Guadalajara mit drei Lehrerinnen zu Gast im Landkreis Oldenburg sowie im Emsland und der Gegend um Bad Bentheim.
„Die Kinder fühlen sich hier sehr wohl. Sie genießen es, dass sie unbeschwert Fahrrad fahren und vor allem selbstständig etwas unternehmen können. In ihrer Heimat geht das nicht“, sagt Angelica Hüls-Lüken. Seit 40 Jahren gibt es den Austausch, den die gebürtige Mexikanerin seit acht Jahren organisiert.
Ihre Mutter Bruni Ponzelar hatte ihn 1968 ins Leben gerufen, als sie von Deutschland nach Mexiko auswanderte und anfing, an einer deutschen Schule zu arbeiten. Schnell wurde sie von den Kollegen gefragt, ob sie nicht für die Schüler eine Reise nach Deutschland organisieren könne – um deren Sprachkenntnisse zu verbessern. Gesagt, getan.
„Anfangs war es nicht schwer, Gastfamilien zu finden, mittlerweile ist das nicht mehr so einfach“, sagt Angelica Hüls-Lüken. Durch mehrere Zeitungsaufrufe habe es aber dann doch geklappt. Über 7000 mexikanische Schüler sind seit Bestehen des Austausches in Deutschland gewesen. Finanziert wird der Aufenthalt durch die Eltern der Privatschüler. In diesem Jahr ist auch ein Gegenbesuch der deutschen Gastfamilien geplant.
In den ersten drei Wochen hatten die kleinen Mexikaner volles Programm. Da nächtigten sie im Freizeitheim Thülsfelder Talsperre und unternahmen zahlreiche Ausflüge. Es ging an die Nordsee, nach Bremen, Oldenburg und Bremerhaven.
Am meisten genossen die Kinder aber die ausgedehnten Fahrradtouren durch die Umgebung. Ihre Heimatstädte sind nicht sicher genug für Ausflüge auf eigene Faust. Jetzt verbringen sie bis zur Abreise am 13. August die Zeit in ihren Gastfamilien.
„Das einzige, was die Kinder etwas vermissen, ist das scharfe Essen. Das gibt es hier einfach nicht“, meint Angelica Hüls-Lüken. Sie kennt das, da sie selbst vor acht Jahren aus Mexiko ins Oldenburger Land kam. In diesem Jahr hat sie selbst keinen Mexikaner aufgenommen, da ihre Kinder (2, 18 und 19 Jahre) nicht das „passende“ Alter haben. Einige Mädchen, etwa Pamela und Nicole, verbringen schon den zweiten Sprachurlaub in Deutschland.
„Mit das Schönste war für mich, als ich gehört habe, dass ein Mexikaner seine deutsche Gastschwester heiratet“, sagt Hüls-Lüken. Das war in den Anfängen. Die beiden seien mittlerweile auch schon über 40 Jahre alt.
