WILDESHAUSEN - Am 6. August 1988 wurde Annette Middelbeck an der St.-Peter-Schule Wildeshausen eingeschult. Am 20. August 2012 war sie, inzwischen als verheiratete Annette Büschelmann, wieder zur Einschulung eingeladen – diesmal allerdings als Lehrerin. „Das war für mich wie nach Hause zu kommen“, erinnert sich die 30-Jährige.
Aufgewachsen mit zwei älteren Geschwistern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Kleinenkneten, fühlte sie sich an ihrer Grundschule schon als Kind pudelwohl. „Nachdem Frau Pospeschill im Spielkreis Kleinenkneten meine Erzieherin gewesen war, hatte ich Herrn Pospeschill und später Frau Klose als Klassenlehrer“, erzählt sie. Auch damals schon sei die Norderneyfahrt in der vierten Klasse der Höhepunkt der Schulzeit gewesen, und viele Rituale von damals hätten sich bis heute erhalten, auch wenn sich natürlich vieles weiterentwickelt habe.
Dabei deutete nach dem Abitur eigentlich gar nichts darauf hin, dass Annette Büschelmann einmal Lehrerin werden würde. „Nach dem Abschluss hatte ich die Nase voll vom Pauken und wollte einfach etwas tun“, sagt sie. Also bewarb sich die Wildeshauserin erfolgreich für einen Ausbildungsplatz als Büro- und Telekommunikationskauffrau. Im Laufe der Ferien wurde ihre Laune jedoch immer schlechter und nach einer Fahrt zur Hochschule in Vechta schrieb sie sich spontan fürs Lehramtsstudium ein. Das damalige Fächerspektrum Sachunterricht, Deutsch, Religion erweiterte sie vor zwei Jahren um Sport, „weil mich das sehr interessiert.“ Zuvor hatte sie bereits eine studienbegleitende Ausbildung zur Entspannungs- und Konzentrationstrainerin abgeschlossen.
Nach dem Referendariat in Einbeck bekam sie eine Vertretungsstelle in Ganderkesee, die allerdings zunächst nur bis zu den Sommerferien datiert war. Um anschließend nicht in der Luft zu hängen, entschloss sich Annette Büschelmann, in Wildeshausen und Großenkneten Konzentrations- und Entspannungskurse für Kinder anzubieten. „Der Bedarf war riesig, und ich begann mich zu fragen, was vormittags schiefgeht, das ich nachmittags ausgleichen muss“, erzählt sie. Die Kurse gab sie weiter, obwohl ihr Vertrag in Ganderkesee für einige Stunden pro Woche verlängert wurde.
Ein Jahr später bekam die Pädagogin eine feste Stelle in Ganderkesee. „Mit der dritten Klasse, die ich damals übernommen habe, habe ich mich vor kurzem noch einmal spontan im Eiscafé verabredet, und 15 von 23 Schülern sind gekommen“, freut sie sich, dass der Kontakt nicht abgerissen ist.
Kontakt stets gehalten
Nicht abreißen ließ sie in all den Jahren auch nicht den Kontakt zur St.-Peter-Schule. Als die überzeugte Wildeshauserin hörte, dass es dort im Schuljahr 2012/2013 eine zusätzliche erste Klasse gebe, war ihr klar, „dass jetzt einfach alles passt.“ Kurz zuvor war sie mit Ehemann Torsten ins schmucke Eigenheim am Mergelgrund gezogen.
„Ich fühle mich wohl als katholische Lehrerin an einer katholischen Grundschule“, betont die 30-Jährige. Vorteile habe es oftmals auch, ortskundig zu sein, gerade wenn es um außerschulische Lernorte gehe. Gerne erinnert sich die gebürtige Kleinenkneterin in diesem Zusammenhang an ein Praktikum an der St.-Peter-Schule, das sie mit einem Ausflug zu den Kleinenkneter Steinen und zum Hof ihrer Eltern samt anschließender Kremserfahrt krönte.
Die Zusammenarbeit an der St.-Peter-Schule sei gerade auch zwischen den verschiedenen Generationen toll, schwärmt sie. „Frau Lutze war schon Lehrerin, als ich dort noch zur Schule ging, und heute arbeiten wir Hand in Hand“, freut sie sich.
Beim Kind ansetzen
Gemeinsam habe man auch den plötzlichen Ausfall einer Klassenlehrerin bewältigt und mangels Alternativen aus drei ersten Klassen vorübergehend zwei gemacht. „Das war eine Herausforderung, aber wir haben das Beste aus der Situation gemacht“, betont sie.
Annette Büschelmann hält es für die beste Lösung, nicht lange zu lamentieren, sondern direkt beim Kind anzusetzen: „Auch wenn noch soviel zu tun ist, muss man sich die Zeit für das direkte Gespräch nehmen, gerade wenn man merkt, dass das Kind irgendetwas mit sich herumschleppt.“
Manchmal kommt allerdings auch Büschelmann an ihre Grenzen: Wenn die Eltern nicht mitarbeiten, die Wertschätzung fehlt, die außerschulischen Termine immer mehr werden. Zweifel an ihrem Traumberuf hat sie dennoch nie, erhofft sich vielmehr von der Zukunft, „dass es so weiter geht“. Einen kleinen zusätzlichen Wunsch kann sich die Pädagogin aus Überzeugung dann aber doch nicht verkneifen: „Schön wäre natürlich eine gemeinsame Grundschule nicht nur für vier, sondern für sechs Jahre, denn dann könnten wir noch viel mehr erreichen.“
