WILDESHAUSEN - Die Antworten kommen schnell und unaufgeregt. Pascal erzählt auf Englisch, dass er sich für Handball und Fußball interessiere, Jonas, was seine Eltern beruflich machen. Ihr Lehrer Jan Pössel muss bis auf wenige Fragen kaum eingreifen. Fragen, Dialoge und eine Bildbeschreibung – die 15-minütige Prüfung geht schnell und problemlos über die Bühne.
Pascal Klotz und Jonas Schmidt, beide 15 und aus der 10b der Realschule Wildeshausen, haben an diesem Nachmittag ihre mündlichen Sprachkenntnisse unter Beweis gestellt, mit denen sie sich im Englandurlaub gut verständigen könnten. Und sich damit eine Klassenarbeit pro Jahr gespart. „Ich finde das mit der mündlichen Prüfung gut. Nicht immer nur schreiben, schreiben, schreiben“, sagt Pascal und lobt die Lehrer, die sich die Extra-Zeit am Nachmittag nähmen. Jonas ergänzt: „Für uns ist das ein geringerer Aufwand und Vorbereitung auf die mündlichen Prüfungen später.“
Das ist auch einer der Gründe, warum die Realschule vor zwei Jahren die Neuerung für die Klassen 5 bis 10 eingeführt hat. „Bisher gab es nur am Ende der Schullaufbahn mündliche Prüfungen. Unsere Schüler bekommen so schon Routine. Das hilft gerade denen, die Prüfungsangst haben“, erklärt Fachkonferenzleiterin Alexandra Senge. Stillere Schüler gingen richtig aus sich heraus.
Die Idee entstand mit dem neuen Kerncurriculum der Landesregierung, das dem Sprechen und Hörverstehen einen größeren Schwerpunkt einräumt – allerdings nur im Unterricht. „Wir dachten, es kann nicht sein, dass das Mündliche mehr zählt, es aber nur schriftliche Prüfungen gibt“, so Senge. Die Realschule wagte sich auf Neuland. Die Englischlehrer entwickelten ein vereinheitlichtes Prüfungverfahren für jeden Jahrgang.
Inzwischen interessierten sich auch andere Schulen für ihr Prüfungsmodell, erklärt Pössel. In den Handreichungen zum neuen Kerncurriculum werde die Vorgehensweise der Realschule beispielhaft angeführt. Seine Französischkollegen sind nun auch nachgezogen, der Spanischbereich werde folgen. Nicht nur Pössel, auch die Schüler sind überzeugt von der Neuerung. „Ich bin schon stolz darauf, weil wir bisher die Einzigen sind“, sagt Pascal.
