WILDESHAUSEN - Oft sei der Physik-Unterricht recht „theoretisch“, sagen Melina und ihre Klassenkameradinnen Annabelle und Sophia. Doch diesmal mache es richtig Spaß. Gemeinsam mit anderen Schulfreunden der Klasse 7d bohren sie Löcher in Rahmen, schleifen oder schrauben Zahnräder an. Es entsteht ein raffiniert konstruierter digitaler Windmesser.

Für zwei Wochen hat das Energiemobil des heimischen Versorgungsunternehmens EWE am Gymnasium Wildeshausen Station gemacht. Unter Anleitung von Karl-Heinz Raczek, der diverse Koffer mit Bauteilen mitgebracht hat, werden zum Themenkomplex „Regenerative Energien“ insgesamt sechs verschiedene Modelle gebaut. „Das passt thematisch gut in den Unterricht“, sagt Physiklehrer Karsten Sudholz. Gerade erst war das Thema „Energieumwandlung“ an der Reihe. Auch Schulleiter Ralf Schirakowski zeigt sich angetan von der willkommenen Abwechslung im Fachunterricht.

Alle siebten Klassen des Gymnasiums sind in das Projekt eingebunden. Auch eine fünfte und eine achte Klasse machen mit. Sudholz hatte vom Erfolg des Energiemobils am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ahlhorn gehört und sich dann um das Projekt bemüht. „Wir fahren aber nicht nur Gymnasien an, sondern auch viele Hauptschulen und Realschulen in Weser-Ems“, betont Raczek. So kommen rund 50 Besuche im Jahr zusammen. Neben Wind und Solar sind Energie sparen und CO2-Reduzierung große Themen.

Und so sind beispielsweise Lars, Robers, Johannes und Daniel (alle 12) dabei, Lochstreifen zu schneiden, zu falzen und zu montieren. Sie wollen einen „Solar-Buggy“ bauen, der allein von der Sonnenenergie angetrieben wird. Andere Schüler bauen digitale und einfache Windmesser (Anemometer), Windräder oder eine Kurbelleuchte. Im Nebenraum versuchen sich Jugendliche an einem Solarboot. Dazu hat Raczek die passende Software mitgebracht, damit auch per Computer eigene Grafiken für das Modell erstellt werden können. Auch wenn die mobile Werkstatt des Energiemobils gut gefüllt ist: Einen Anteil für die hochwertigen Materialien zahlen die Schüler selbst. So kommt der Solar-Buggy auf zwölf Euro. Für viele sei diese Art des Physik-Unterrichts zugleich ein Anstoß, wieder im heimischen Werkraum zu basteln, sagt Raczek.