WILDESHAUSEN - „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden“, sagt Jan Pössel, der Leiter der Realschule Wildeshausen. Neue Wege bei der Berufswahl will Gerhard Albers, Leiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen, aufzeigen.
Gemeinsam vereinbarten Realschule und BBS am Dienstag eine Zusammenarbeit auf der Basis des Niedersächsischen Schulgesetzes. Albers zufolge ist es die erste Kooperation der BBS, die so in schriftliche Form gegossen wurde.
„Alle Profile anbieten“
Nach einem neuen Grundsatzerlass des Landes müssen die Realschulen künftig Schwerpunkte bilden – für die Bereiche Fremdsprachen, Wirtschaft, Technik und Gesundheit/Soziales. „Wir wollen alle vier Profile anbieten“, sagt Pössel. Da trifft es sich gut, dass die drei letztgenannten Schwerpunkte deckungsgleich sind mit denen des Fachgymnasiums. Auch im Bereich Sprachen kann die BBS weiterhelfen. Sie unterstützt die Realschule mit Lehrerstunden im Unterrichtsfach Spanisch, da in Niedersachsen keine Ausbildung für Spanisch im Sekundarbereich I angeboten werde. Im Gegenzug will die Realschule die BBS zur Deckung der Unterrichtsversorgung in den allgemein bildenden Fächern (Mathematik, Deutsch, Englisch) durch die Abordnung von Lehrerstunden unterstützen. Eine Abrechnung in Euro sei kompliziert, sagte Albers, daher greife man auf den „Naturalienhandel“ zurück.
Durch die enge Zusammenarbeit soll den Realschülern der Übergang zum Fachgymnasium sowie die Berufsorientierung erleichtert werden. Viele Schüler landeten zunächst in einer Sackgasse, weil sie zu sehr an auf „Weiße-Kragen-Berufe“ setzten, meinte Albers. Praxistage an der BBS sollen dazu beitragen, die Berufs- und Ausbildungsentscheidung fundiert vorzubereiten und Lehrerkapazitäten „vernünftig einzusetzen“. Die Initiatoren Pössel und Albers betonten, nicht immer könne man warten, bis es eine Vorgabe aus Hannover gebe. „Wir wollen gute Bedingungen für Schüler schaffen“, sagte Albers. „Ohne Anstoß gibt es kein Spiel.“
Realschule als Vorbild
Zufrieden mit der unbefristeten Kooperation zeigten sich auch die Schülervertreter Christin Schmidt (Realschule) und Sarah Schwarz (BBS) und die Elternvertreter Peter Funk (Realschule) und Petra Trautmann-Heil (BBS). „Die Realschule ist in vieler Hinsicht Vorbild gewesen“, so Funk, „vielleicht ziehen andere Schulen aus dem Kreis nach.“ Christin Schmidt war am Dienstag erstmals an der BBS. „Ich bin froh, dass ich hier bald mehr erfahre“, sagte sie.
Realschulleiter Pössel freut sich auf die praktische Zusammenarbeit mit der BBS im Fach Spanisch und den übrigen Kooperationsschwerpunkten, die voraussichtlich ab dem Schuljahr 2011/12 beginnt: „Das Leben in der Black Box ist vorbei.“
