WILDESHAUSEN - „Da wiehert der Amtsschimmel ganz laut“, meinte der SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer. Seit fast zwei Jahren befasst sich der Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags mit dem gemeinsamen Anliegen der Schulelternräte der Förderschule Sandkruger Straße in Oldenburg sowie der Realschule Wildeshausen, die Sozialpädagogen-Stellen sinnvoll aufzuteilen. Das verhindere aber ein Erlass des Kultusministeriums, meinen die Schulen.

„Erlass passt nicht“

Die Elternvertreter Manuela Rieck (Oldenburg) und Anja Mattner (Wildeshausen) hatten daher am Mittwochabend die Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley (CDU), Christian Dürr (FDP), Renate Geuter, Wolfgang Wulf, Brammer (alle SPD) und Kreszentia Flauger (Linke) sowie die Oldenburger CDU-Ratsfrau Daniela Pfeiffer zu einem Informationsabend in die Realschul-Mensa eingeladen. Unter der Moderation von Realschul-Konrektor Jan Pössel tauchten die Beteiligten in die Tiefen der hannoverschen Kultus-Bürokratie ab.

„Ich habe eine 0,78-Stelle an der Schule Sandkruger Straße“, schilderte Sozialpädagoge Reinhard Bieh-Bausch, dem laut Arbeitsvertrag eine volle Stelle zusteht, die Situation. „Ich würde dort gern voll arbeiten, was aber aufgrund der Erlasslage nicht möglich ist.“ Der Erlass sehe vor, dass einer „Schule mit geistig Behinderten“ keine volle Sozialpädagogen-Stelle zustehe. Bieh-Bausch: „Aber wir sind eine Förderschule mit Schwerpunkt Emotionales und Soziales (ES) Lernen. Der Erlass passt gar nicht zu uns.“ Schulleiter Sascha Schubert wies darauf hin, dass es die Aufgabe der Förderschule sei, die Kinder in die Regelschule zurückzuführen.

Die Situation ist mehr als kurios: Denn die Landesschulbehörde besteht bislang darauf, dass die Sozialpädagogenstelle geteilt wird: eine halbe Stelle in Oldenburg, eine halbe Stelle an der Realschule in Wildeshausen. Während Bieh-Bausch seine Stunden in Wildeshausen absolviert, wird er in Oldenburg von seiner Kollegin Sandra Alhaus vertreten. Um unnötige Fahrtkosten zu vermeiden und den Schulen Planungssicherheit zu geben, schlugen die Eltern vor, Alhaus sollte eine 0,5-Stelle in Wildeshausen erhalten, Bieh-Bausch die 1,0-Stelle in Oldenburg. Verärgert zeigten sich Lehrer- wie Elternvertreter, dass bis heute keine schriftliche Begründung aus Hannover vorliege, warum die Stundenzahl der Sozialpädagogen nicht aufgestockt werden kann.

Geuter macht Vorschlag

Einen salomonischen Vorschlag machte in der Debatte die SPD-Abgeordnete Geuter. Damit in der CDU/FDP-Regierung niemand sein „Gesicht verliere“, könne das Kultusministerium doch den strittigen Erlass mit dem Vermerk „Gilt nicht für Förderschulen ES“ versehen. Damit wäre die „Kuh vom Eis“. CDU-Mann Bley sagte zu, sich für diese Lösung einsetzen zu wollen.

Wie dringlich das Problem der Schulsozialarbeit ist, machte Thomas Butzmann, Beratungslehrer an der Realschule, drastisch deutlich: In 52 Einzelfallhilfen musste die Schule im vergangenen Jahr Schülern besondere Unterstützung zukommen lassen – oft über Monate. Die Probleme reichten von Hilfen bei Erziehungsproblemen bis hin zu Fällen von häuslicher Gewalt. Butzmann: „Bereits seit drei Jahren mahnen wir hier ein Konzept an!“ Bisher existiert an der Realschule keine Stelle für Sozialarbeit, die halbe Stelle ist als Pädagogische Mitarbeit im Ganztag ausgeschrieben.