WILDESHAUSEN - Die Jäger im Landkreis Oldenburg sowie in Delmenhorst werden nach den neuen Bestimmungen des Fleischhygienegesetzes geschult. Dazu äußert sich der Kreisveterinär des Landkreises Oldenburg, Dr. Jochen Vahrenhorst, im Interview.
Frage: Die Jäger sollen nach neuen Fleischhygienebestimmungen geschult werden. Was verbirgt sich dahinter?
Vahrenhorst: Es geht um das so genannte Lebensmittelpaket der Europäischen Union; dahinter verbergen sich mehrere Verordnungen. Das erlegte Wild ist ein Primärerzeugnis. Die Jäger, die das Fleisch nicht nur selbst verzehren, sondern auch an die Verbraucher weitergeben, werden zu Lebensmittelunternehmern.
Frage: Was wird den Jägern während der Veranstaltungen auf Gut Altona, bei Fischbeck in Wardenburg sowie bei Backenköhler in Stenum denn vermittelt?
Vahrenhorst: Wir werden eine Übersicht der Vielzahl an Hygienenormen geben und über die Wege der Vermarktung sprechen.
Frage: Gibt es denn auch Dinge für den praktischen Gebrauch?
Vahrenhorst: Natürlich. Es ist quasi eine Nachhilfestunde in Sachen Anatomie, Wildkrankheiten und der Erkennung von Merkmalen, die eine amtliche Untersuchung des erlegten Wildes erfordern.
Frage: Was meinen Sie damit genau?
Vahrenhorst: Vor allem sollen die Jäger erkennen, ob Anzeichen für anzeigepflichtige Seuchen oder Tierkrankheiten vorliegen. Ein Beispiel wäre die Schweinepest: Bei Wildschweinen ließen sich unter anderem Blutungen der Lymphknoten, der Nieren oder am Kehldeckel erkennen.
Frage: Das hört sich nach einem umfangreichen Programm an . . .
Vahrenhorst: Die Schulung dauert mindestens zwei Stunden. Bei Bedarf bieten wir weitere Vorträge an. Hier liegt die Organisation aber ganz in den Händen der Kreisjägerschaft Oldenburg-Land/Delmenhorst.
Frage: Welche weiteren neuen Erkenntnisse wird der Jäger mitnehmen?
Vahrenhorst: Die hygienische Fleischgewinnung, die Kühlung sowie die Fleischreifung, die zu einem wohlschmeckenden Braten führen sollen, werden in jedem Fall im Mittelpunkt stehen. Auch eine neue Methode des so genannten Aufbrechens soll anschaulich erläutert werden. Die Reinigung von Messern, Sägen, Arbeitstischen und -räumen und die Verwendung von Schutzkleidung werden ebenso erläutert.
Frage: Angesprochen sind alle, die vor dem 1. Februar 1987 ihren Jagdschein erworben haben. Warum diese zeitliche Grenze?
Vahrenhorst: Erst nach 1987 war die Wildbrethygiene ein wichtiger Bestandteil der Jägerausbildung. Daher erklärt sich dieser Stichtag. Die Landesjägerschaft möchte aber, dass möglichst alle Jäger an den Schulungen teilnehmen.
