WILDESHAUSEN - „Bonjour je mappelle Sophie“ – mit diesen Worten begrüßt Sophie Jean die Fünftklässler der Realschule Wildeshausen. Erste Fragezeichen in den Gesichtern der Schüler, keiner von ihnen hat bislang auch nur eine Minute Französischunterricht gehabt. Sekunden später verstehen sie die junge Frau bereits.
Alles auf Französisch
„Ich zwinge mich immer, alles auf Französisch zu sagen“, beschreibt Sophie Jean den Charakter ihrer Unterrichtseinheit. Als Referentin des sogenannten „FranceMobil“ reist die Französin seit September in einem bunt beklebten Fahrzeug für ein Jahr durch Niedersachsen und Bremen, um Fünftklässlern erste Sprachkenntnisse und kulturelle Eindrücke ihres Heimatlandes zu vermitteln. „Das alles geschieht spielerisch“, sagt sie, und zückt einen Stapel Memory-Karten. Die darauf abgebildeten Begriffe übt sie mit den Schülern. In Rollenspielen lässt sie die Fünfklässler alltägliche Situationen in der fremden Sprache nachstellen. Auch ein Football-Ei findet Verwendung – wer es fängt, muss etwas auf Französisch sagen.
Die Schüler zeigen dabei keine Scheu und lernen stattdessen schnell. „In der Mitte des Schuljahres müssen sie sich dann zwischen Französisch und Spanisch entscheiden“, erklärt Fachlehrerin Elke Persikowski, weshalb das „FranceMobil“ bereits seit einigen Jahren der Wildeshauser Realschule einen Besuch abstattet. „Sie sollen sich dadurch besser orientieren.“
Steigerung um 30 Prozent
Dass sich nach dieser Unterrichtseinheit wohl viele für Französisch entscheiden werden, verdeutlicht eine von 2004 bis 2005 geführte Studie. Demnach sollen an den vom „FranceMobil“ besuchten Berliner Grundschulen die Wahl dieser Sprache als erste Fremdsprache um 30 Prozent gestiegen sein. Sophie Jean freut sich über das Interesse: „Französisch hat ja den Ruf, schwer zu sein“, sagt sie, um gleich hinzuzufügen: „Aber es ist machbar, es zu lernen.“
